Die Magd Fine und der Laie Grimoldus

Die Magd Fine und der Laie Grimoldus

Hier wieder eine interessante Kurzgeschichte von Jan de Schwoon:

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– Was geschah wirklich am Wegekreuz an der „Krüsse Straat in Kennele“? –

Vor Urzeiten begab es sich, dass auf dem Kreuzhof, der in unmittelbarer Nähe der Krüsse Straat in Kennele stand, große Aufregung herrschte. Die Magd Fine war vom abendlichen Gebet am Wegekreuz zum Kreuzhof stand, nicht zurück gekehrt.

Fine soll vor ihrer Stellung als Magd auf dem Kreuzhof, eine Novizin im Marienstift Bedburg gewesen sein. Sie trat schon mit 10 Jahren dem Frauenorden bei. Mit knapp 18 Jahren musste sie den Orden verlassen weil sie mit ihren, für damalige Zeiten provozierenden Thesen, an die Öffentlichkeit drang. Mit ihren mystischen Visionen und Prophezeiungen in Form von Gedichten und Liedern, soll sie das Klosterleben durcheinander gebracht haben. Sie soll eine hoch gebildete Frau gewesen sein, die mutig genug war in einer von Männern dominierten Welt, ihre Visionen einzusetzen. Der Graf von Kleve, dem das Stift Bedburg unterstand, soll die Versetzung zum Kreuzhof persönlich angeordnet haben, um weitere Unruhe in dem Stift zu vermeiden.

Der Kreuzhof war der Haupthof der Bauernschaft Sombrienen, der noch weitere Unterhöfe hatte, die zu Abgaben und Dienstleistungen verpflichtet waren. Die Bauernschaft soll sich bis zur Dorfmitte von Kennele und ihrer Kirche St. Willibrord erstreckt haben. Der Bauer vom Kreuzhof und seine Familie waren streng gläubige Christen, darum soll er von der Anordnung des Grafen nicht sehr begeistert gewesen sein. Seine Obrigkeitstreue erlaubte ihm allerdings keinen Widerspruch. Da die Familie seit Generationen das Heiligenhäuschen an der Wegkreuzung pflegte, sollte diese Aufgabe nun die neue Magd Fine nach ihrer Arbeit auf dem Hof übernehmen.

Was war nun mit Fine geschehen? Wollte der Bauer vom Kreuzhof die Magd wieder loswerden? War ein Unglück geschehen? Lebte Fine überhaupt noch? Viele Fragen und noch keine Antworten.

Noch ahnte niemand, dass längst ein anderer in das Geschehen eingetreten war. Jan der Fischersohn aus Nütterden kam auf den Plan. Durch seine mystischen Fähigkeiten hatte er Kontakt mit der verschwundenen Magd Fine bekommen, die bekanntlich diese Fähigkeiten ebenfalls hatte. Sie lebte scheinbar noch. Aber wo war sie? Um das heraus zu finden eilte Jan zum Ort des Geschehens zum Kreuzhof nach Kennele. Der Bauer war nicht begeistert, als Jan auf seinen Hof eintraf und ihm unangenehme Fragen stellte. Von all den mystischen Dingen wollte er nichts wissen. Er wolle nur wieder Ruhe auf seinem Hof haben, die seit dem Verschwinden von Fine nicht mehr vorhanden war. Jan war davon überzeugt davon, dass der Bauer mehr wusste, bekam aber außer den Hinweis von ihm, dass er in der nicht weit von hier entfernten „Krüssenhoffschenke“ wohl mehr erfahren könne, nichts über das Verschwinden der Magd heraus.

Jan hatte kein gutes Gefühl, als er in die dunkel wirkende Schenke eintrat. Nur einige wenige Kerzen gaben ein gelblich, schummriges Licht in dem von Rauchschwaden durchwabernden Schankraum. Jan konnte nur drei Gäste erkennen, die total besoffen auf ihren Stühlen hingen und den Ankömmling lallend begrüßten. „wej hebben al lang geschlooten“ hörte Jan eine alte, hagere Frau auf Kleverländisch rufen. Sie stand rauchend hinter einem großen Tresen in der hinteren Ecke. „et gefft nex merr te drenke“ fuhr sie kreischend fort. Jan legte ein paar klevische Stüber auf den schon lange nicht mehr gereinigten Tresen, die sofort von der Wirtin unter einem alten Wischtuch verschwanden. Bevor sie wieder laut ihre Stimme erhob, befragte Jan sie nach Fine. „ek heb et ok gehoort dat se wech es, ek weet äwel van nex, mar dor achter innen huck sett Grimoldus all sent twee dagen te süppe en te schraue, en betole kann he ok nit, froch denn mar“ kam es krächsend aus ihr heraus.

Jan schaute in die dunkle Ecke und sah einen in sich gekauerten, gut ernährten jungen Mann, der nur vor sich hin stierte und immer nur den einen Satz wiederholte „ek heb se doch so lief, ek heb se doch so lief…….“ Jan setzte sich an den Tisch des Mannes, der so gar nicht in dieses Milieu der Schenke passen wollte. Nachdem er ihn etwas beruhigen konnte sprudelte es nur so aus Grimoldus heraus. Er sei Laienprediger in der Kirche vom heiligen Willibrord, dort sei er auf die Magd Fine aufmerksam geworden. Sie hätten sich ein paar mal am Wegekreuz am Kreuzhof zum Beten getroffen, wo sie aber vom Bauer des Hofes erwischt wurden, als sie sich zum Abschied küssten. Darauf hin zwang der Bauer, Grimoldus die Magd zu entführen und notfalls in den Fluten des Rheins bei Schmitthausen, verschwinden zu lassen. Ansonsten würde er das was er gesehen hatte öffentlich machen und die Beiden mit Schimpf und Schande belegen. So wollte der Bauer die ihm nur Unruhe bringende Magd wieder los werden. „ek heb se doch so lief“ stammelte Grimoldus weiter „ek kann dij Dern doch nex duun, dorom heb ek sej bowen in de Kerktörm van unse lieven Willibrord verstopt, wat kann ek blos duun.“ Beruhige dich erstmal wirkte Jan leise auf ihn ein, komm wir werden eine Lösung finden und Fine erstmal befreien. Erleichtert verließen die zwei unter den spöttischen Blicken der Wirtin die Schenke.

Eine Zeit lang wohnten Grimoldus und Fine nun in Nütterden, nahe von Jan seinem Fischerhaus und gründeten eine Familie. Später zogen sie wieder nach Kennele zurück wo sie bis an ihr Lebensende glücklich lebten.

Der Bauer vom Kreuzhof konnte den Beiden nicht mehr schaden, ihn ereilte bei der Ernte auf seinem Feld ein plötzlicher, unerklärlicher Tod. Es wird gemunkelt das höhere Mächte am Werk waren. Wer weiß, wer weiß…………

Der Klever Schwan kommt aus Nütterden – Letzter Abschnitt

Der Klever Schwan kommt aus Nütterden – Letzter Abschnitt 

Hier der Schluss dieser interessanten Geschichte von Jan de Schwoon…

der klever schwan

Als sie die Renne weiter befuhren bemerkten sie auf der parallel zum Fluss verlaufenden Weg „Kuhstronzeglei“ genannt, einen Reiter. Es war der „Junker Alexander von Donsbrüggen“ der auch auf dem Weg nach Cleve war. „Könnt ihr mir hier in der Gegend eine Herberge empfehlen?“ rief Lohengrin dem Junker zu. Dieser verlangsamte seinen Ritt und rief zurück: „In Arenacum, in et „Gut op gen Poll“ nit wiet wech van hier, dor könt gej äte en schlope. Ek sin eiges op de Wech dor hen. Wenn gej wellt bestell ek wat de Äte en een Kamer vor ow“. „Mache das Junker, wir kommen gleich. Es soll dein schaden nicht sein“ antwortete Ritter Lohengrin erfreut. Leicht erschöpft von der Reise über die Renne, wurden Lohengrin und Jan, dieser hatte wieder die Gestalt eines Menschen angenommen, vom „Provisor“ des Gutes freundlich empfangen. Das Gut wurde von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg als Jagdhaus genutzt deshalb war die geräumige Halle, in der auch die Mahlzeit eingenommen wurde, voll mit Jagdtrophäen geschmückt. „Gujen Dag edler Ritter“ empfing auch der Junker Alexander die beiden Ankömmlinge. „Ek hoop dat alles gut es wat ek för ow bestellt heb Heer““ und zeigte auf eine reich gedeckte Tafel. „Danke Junker, wir sind froh diese Herberge für heute gefunden zu haben. Morgen werden wir auf der Burg in Cleve erwartet, so können wir dort ausgeruht erscheinen. Seid mein Gast, esst und trinkt so viel ihr wollt.“ erwiderte Lohengrin. „Ek ben Junker „Alexander van Donsbrüggen“ Stellte sich der Angesprochene nun vor und verbeugte sich vor dem stattlichen Ritter. „Ok ek benn märgen fruch op de Burg van Kleef ingeloje, min Cosine Elsa van Brabant traut dor ennen Ritter.“ „Welch eine Überraschung, dieser Hochzeiter bin ich“, freute sich Lohengrin „da haben wir den gleichen Weg. Ja, ich erinnere mich, Elsa hat mir schon von dir erzählt, bist du nicht der tapfere Alexander, nach dem in den Niederlanden die „Prinz Alexander Laan“ benannt wurde?“ „ Joo denn sin ek“ stammelte Alexander leicht errötend. Die beiden hatten sich an dem Abend bei einem guten Glas Wein noch viel zu erzählen, wobei sich Jan dezent im Hintergrund hielt.

Am anderen Morgen brachen Lohengrin und Jan, gestärkt durch ein kräftiges Frühstück, auf nach Cleve. Junker Alexander war schon fort, sie hatten sich auf der Clever Burg beim Hochzeitsfest verabredet. Dort auf der Burg herrschte unter dessen ein reges Treiben. Kaiser Heinrich war schon eingetroffen um an den Feierlichkeiten teil zu nehmen. Im Thronsaal des prächtig geschmückten Schlosses hatte Elsa, als die neue Herrin der Burg, die Vasallen ihres verstorbenen Vaters um sich versammelt um sie, so wie es alter Brauch war, den neuen Lehnseid sprechen zu lassen. „Beugt Euer Knie und schwöret mir Vasallentreue, so wie Ihr meinem Vater gedient habt“, gebot Elsa den Erschienenen. Gehorsam knieten die Gefolgsleute vor den Stufen des Herzogsthrones und hoben die Hand zum Schwur: „Heil Herzogin Elsa, der Herrin von Brabant!“ gelobten sie ihrer neuen Herrin. Nur einer, Graf Friedrich von Telramund ein Weggefährte ihres Vaters, trat ihr entgegen; er sprach nicht das Treuegelöbnis, das Elsa als Herzogin rechtmäßig verlangte, und er zeigte sich nicht bereit, ihr zu huldigen. „Ihr seit mir als Ehefrau versprochen somit bin ich der rechtmäßige Erbe eures Vaters und Herr dieses Hauses mit Euch als Weib an meiner Seite “ rief der Graf in die erstaunte Runde. Elsa erbleichte. „Wie könnt Ihr solche anmaßenden Worte sprechen, wie könnt Ihr solche abscheuliche Lüge wagen? Niemals hat mein seliger Vater, der nun in Gottes Frieden ruht, dem Grafen solche Zusage gegeben!“ Antwortete Elsa mit bebender Stimme und mit erhobener Hand schwor sie; „Ich gelobe bei Gott, unserem Kaiser Heinrich und dem Vermächtnis meines verstorbenen Vater, dass ich einem anderen edlen Herrn versprochen bin“. Graf Talramund trat in die Mitte des Saales, wobei er sich anbiedernd in Richtung des Kaisers verbeugte und rief mit spöttischer Stimme in die Runde; „Kaiser Heinrich hat heute den Hochzeitstermin festgelegt, wo ist denn Euer Edelmann, ich sehe hier im Saal keinen der mir ebenbürtig wäre.“ Nun erhob sich der Kaiser von seinem goldenen Thron, der neben dem Herzogthron von Elsa stand und verkündete mit fester Stimme; „Ich glaube meiner ehrenwerten Nichte Elsa und lege hiermit fest; wenn bis zur Mittagszeit ein anderer Edelmann zur Stelle ist wird dieser Elsa von Brabant heute ehelichen, ansonsten heiratet sie als meine folgsame Nichte den Grafen Talramund, diese meine Worte sind unwiderruflich zu befolgen“. Erhobenen Hauptes verließ er den Saal und hinterließ eine überraschte Versammlung. „Wer soll da schon kommen“ spottete der Graf triumphierend und zog sich in seine Gemächer zurück. Elsa sah ihren Pastor Bernadus unter den Anwesenden und bat ihn, mit Ihr in der Schlosskapelle zu beten, dass doch ein Edelmann kommen möge. Eilenden Schrittes suchten sie die Schlosskapelle auf.

Um Punkt zwölf Uhr erklangen die Turmglocken der Burg mit einem festlichen Geläut, die weit in die Niederrheinlande zu hören waren. Die gesamte adelige Gesellschaft hatte sich wieder im großen Festsaal der Burg versammelt und harrten der Dinge die da kommen würden. Elsa saß wieder neben dem Kaiser auf ihrem Thron und nestelte nervös an ihr festliches Gewandt. „Dort, dort“ rief rief ein Knappe aufgeregt und zeigte auf den Fluss unterhalb der Burg. Alle Blicke wandten sich zum Strome hin und siehe da, auf dem „Kermisdahl“ nahte ein Kahn, in dem stand aufrecht ein stolzer Ritter in einer silbern schimmernden Waffenrüstung. Gezogen wurde das ungewöhnliche Gefährt von einem prächtigen weißen Schwan, der mit einer silbernen Kette den Kahn zog. „Hurra, hurra, hurra“ schallte es dem ankommenden Ritter von den versammelten Edelleuten entgegen, als er die Stufen der Burg hinauf ging. Jan, der wieder die Gestalt eines Menschen angenommen hatte, trug die schwere Holztruhe mit dem goldenen Schwan und begleitete nun Lohengrin als Trauzeuge. Oben im Festsaal ging ein Raunen durch die Reihen, als die Beiden dort eintrafen. „Mein Name ist Lohengrin“ Stellte sich der edle Ritter vor nachdem er sich vor Elsa und dem Kaiser hin gekniet hatte. „Ich bitte Euch Kaiser Heinrich um die Hand eurer Nichte Elsa von Brabant“, und Elsa zugewandt, „Weil ich von Eurer liebenswerten Schönheit reden hörte, bin ich hierher geeilt: Erlaubet mir, dass ich um Eure Hand bitte, Herzogin Elsa, dass ich Euch bitte, mit mir in ritterlicher Minne den Ehebund zu schließen.“ Mit hochroten Kopf antwortete Elsa; „Ihr habt mir die Ehre zurück gegeben Ritter Lohengrin, weil ihr heute hier erschienen seid, wenn mein Oheim Kaiser Heinrich es erlaubt, nehmt mich zu eurem Weibe“. Der Kaiser erhob sich von seinem Thron als er Sprach: „So soll es sein Herzog und Herzogin von Cleve, ruft den Pfarrer damit er euch auch Gottes Segen gibt“. Graf Talramund hatte verloren. Nachdem der Kaiser diese Worte gesprochen hatte, verließ der Graf fluchtartig den Saal und ward nie mehr auf der Burg gesehen.

In Anwesenheit von Jan und Junker Alexander als Zeugen, traute Pastor Bernadus aus Donsbrüggen den Ritter Lohengrin und die Herzogin Elsa. Er segnete sie im Namen Gottes als Mann und Frau. „Und nun hier mein Brautgeschenk an die Herzogin und die Burg von Cleve“ rief der Ritter in die neugierig gewordene Hochzeitsrunde. Er öffnete die schwere Truhe und hob den goldenen Schwan empor mit den Worten: „Dieser Goldene Schwan wurde in Nütterden für euch gefertigt, setzt ihn auf den höchsten Turm dieser Burg. Der goldene Schwan soll euch und eure Untertanen alle Zeit beschützen.“ Unter riesigem Jubel der Hochzeitsgesellschaft sprach er weiter; „Diese Burg soll ab heute Schwanenburg heißen und weit über die Grenzen von Cleve Ruhm erlangen. Lasst uns den Tag gebührend feiern“ Es begann ein rauschendes Fest, so wie es die Burg und die Stadt Cleve noch nie gesehen hatte. Bevor sich der Herzog und die Herzogin zu später Stunde in ihre Kemenate zurück zogen, erinnerte Lohengrin seine Frau noch mal eindringlich an das Gelöbnis, an das er durch das Gebot seines Ritterordens gebunden sei. „Niemals darfst du mich nach meiner Herkunft fragen, Elsa“, sagte er mahnend, „niemals“. „Brichst du dieses Gelöbnis, so bin ich dir auf immer verloren!“ So lebten sie einige Jahre glücklich und zufrieden und bekamen zwei Kinder.

Bis eines Tages, als Elsa es vor Neugierde nicht mehr aushielt. „Sind wir es nicht unsern Kindern schuldig, dass sie die Herkunft ihrer Eltern kennen?“ Lohengrin fuhr auf. „Elsa“, rief er beschwörend, „du spielst mit unserm Eheglück! Elsa, halt ein!“ Aber ihr Wort war nicht mehr zurückzuhalten. „Wenn du mich ehrlich liebst, so sage mir, Lohengrin, welcher Herkunft du bist. . .“ Totenbleich blickte er auf die Frau, die er so liebte. „Elsa, nun ist es um unser Eheglück geschehen. Das verhängnisvolle Wort ist gesprochen. Sieh dort hinüber zum Kermisdahl!“ Sie blickte in die Richtung zum Strom, wohin sein ausgestreckter Arm zeigte. Ruhig und gemessen näherte sich von dort der Schwan Jan, den sie kannte mit dem Boot, das ihr einst den Geliebten zugeführt hatte. „Du hast es so gewollt“, sagte Lohengrin mit trauriger Stimme und eilte hinunter zum Fluss. So mysteriös wie er gekommen war, so verschwand der Ritter wieder. Er war für immer für die Herzogin von Cleve und ihre Kinder verloren.

Der Klever Schwan kommt aus Nütterden – Abschnitt 3

Der Klever Schwan kommt aus Nütterden – Abschnitt 3

…und weiter geht es mit der wunderbaren Geschichte von Jan de Schwoon…

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Mit den ersten Sonnenstrahlen und dem morgendlichen Glockengruß von der nahe gelegenen Kapelle Sankt Georg, verabschiedeten sich Lohengrin und Jan bei den Bauersleuten. Die Kinder schliefen noch selig auf ihrem Strohlager als sich die beiden Gäste auf den Weg zur Brücke machten, die über die Lindenstraße gebaut war. Dort wartete schon „Jupp der Fuhrmann“ mit seiner Kutsche und seinem Pferd „Mirca“. Er hatte von Lohengrins Vater Parzival den Auftrag bekommen an diesem Morgen eine Holztruhe vom Schmiede- und Schlossereibetrieb Schoemakers im Hammereisen abzuholen, um sie pünktlich hier vor der Brücke an Lohengrin zu übergeben. In der schweren, mehrfach gesicherten Truhe befand sich das Brautgeschenk von Lohengrin an Elsa von Brabant. Es war ein großer goldener Schwan, der nach wochenlanger geheimer Arbeit von dem Schmied Schoemakers in Nütterden gefertigt wurde. Dieser goldene Schwan soll nach der Hochzeit von Lohengrin und Elsa die Spitze der Burg in Cleve krönen.

Jupp der Fuhrmann wurde von Lohengrin für seine Transportdienste entlohnt nachdem dieser die schwere Truhe mit großer Anstrengung in den Kahn gehievt hatte. Scheinbar mühelos zog Jan den nun viel schwereren Kahn unter die Brücke durch, er hatte die silberne Zugkette wieder angelegt. Diese magische silberne Kette verlieh ihm ungeahnte Kräfte. Schnell fuhren sie nun, die starke Strömung der Renne nutzend, Richtung Schloss Klarenbeck weiter. An der rechten Seite des Flusses beobachtete Lohengrin wie gerade eine neue Siedlung gebaut wurde. Da der Boden hier sehr sumpfig war, werden die Häuser auf Eichenstämme gebaut, die im nahen Ketelwald geschlagen und in Floßverbänden über die Renne hierher geschafft werden. An der linken Seite fand eine Schützenübung an dem dafür eingerichteten Schießstand statt und kurz dahinter trainierten die Gladiatoren in der Sportarena von Nütterden. All das nahmen Lohengrin und Jan wahr, als sie auf das prächtige, vier türmige Wasserschloss Klarenbeck zusteuerten. Johann von Klarenbeck begrüßte die beiden Reisenden von der Zugbrücke aus und sicherte ihnen, nachdem er ihnen einen erfrischenden Trank gereicht hatte, in einem versiegelten Brief freie Fahrt bis Cleve zu. Den sollten sie auf verlangen von den Gutsherren vorzeigen, dessen Territorium sie durchfahren mussten.

Der Ritter Lohengrin und Jan der Schwan brauchten einige Zeit um die groß angelegte Schlossanlage mit dem angegliederten Bausenhof und die Mühlenanlage über den angestauten See die Weert zu verlassen. Kurz hinter dem Elsenhof teilte sich die Renne in „Die große Wässerung“. Links floss die Renne Richtung Zyfflicher Hafen und Rechts floss sie in Richtung Cleve. Sie bogen rechts nach Cleve ab und kamen nun, an Haus Hox, dem Haysenhof, Neu Nütterden auf der rechten Seite und dem Lindenhof links vorbei. Die Donsbrügger Windmühle und die Schmiede Heister links hinter sich lassend, kamen sie nun in ein ruhigeres Fahrwasser. Die Renne floss hier nicht weit von dem dicht bewaldeten Höhenzug vorbei. Es war Mittag geworden, den Betrachtern zeigte sich vor der berüchtigten „Kampfarena op de Heij“ ein herrschaftliches Anwesen auf den Höhen des Ketelwaldes. Die weiß schimmernden Stämme der Birkenallee, die hinauf zu der Villa führte, leuchteten im strahlenden Sonnenlicht bis in die Niederung. Hier hatte ein altes geldrisches Adelsgeschlecht, die „Herren von Hoe“ ihr Jagdhaus. Sie waren durch ihren regen Handel zu Reichtum und Ansehen in der Region gekommen. Ritter Lohengrin war hier oft zu Gast gewesen und hatte die ausgiebigen Jagdausflüge mit dem Hausherrn genossen. Als „die von Hoe“ ihr Jagdhaus verkauften, munkelte man das sie über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Das Gegenteil war allerdings der Fall. Sie verlegten ihren Stammsitz nach Nütterden, wo sie ein noch größeres und schöneres Anwesen bauten. Da Nütterden, wie schon beschrieben ein wichtiger Handelsort in der Region war, konnten die „Herren von Hoe“ ihr Vermögen von hier aus besser vermehren und weitere Güter im Klevischen erwerben. Der Kontakt mit Ritter Lohengrin und den „von Hoe“ ist nie abgebrochen. In der Ortsmitte von Donsbrüggen, an der Kirche angekommen, wartete eine große Überraschung auf dem Ritter. Am Ufer der Renne stand sein alter Freund Pastor Bernhardus mit Jupp dem Herbergsvater vom Waldschlösschen. Bernhardus wird im Volksmund freundlich der „Menschenfischer von Donsbrüggen“ genannt und sein Haus, die Kirche St. Lambertus, steht zu jeder Zeit, für jedem offen, der Hilfe braucht. Die Begrüßung war herzlich, die beiden Freunde hatten sich lange nicht mehr gesehen. Früher hatten sie sich bei einem guten Fläschchen Wein die Nächte, philosophierend und diskutierend, um die Ohren geschlagen. Natürlich freute sich Bernhardus über die Hochzeit von Ritter Lohengrin mit Elsa von Brabant und gerade aus wie er nun mal war, bot er sich spontan an die beiden zu trauen. Über dieses Angebot war der Ritter so erfreut, dass er seinen Freund sofort nach Cleve zur Hochzeit einlud, zumal Pastor Bernhardus am Hof von Cleve gut bekannt war und dort schon oft eine Messe abgehalten hatte. Bevor Lohengrin und Jan weiter Richtung Cleve reisten, warnte Bernhardus die Beiden noch vor einer Bande von Rabauken. „Frankus von der Kranenburger“ war ihr Anführer und seine berüchtigten Rabauken hießen Michaelis, Andreas, Holgerus, Andre’us und Stefanus. Diese hatten ihr Hauptquartier im finsteren Ketelwald zwischen dem Spielberg und der Schlucht, von wo aus sie ihr Unwesen in Donsbrüggen trieben. Man konnte ihnen schlecht habhaft werden, da sie sich immer, wenn sie verfolgt wurden, über ein geheimes Kommandosystem von Baum zu Baum schwangen und so über die tiefe, gefährliche Schlucht entkamen. Wachsam fuhren Lohengrin und Jan nun weiter in das „Tal der Gnade“ sie wollten eigentlich auf dem „Ganswykshof“ über-nachten, stellten aber fest, dass der Hof gerade von den Mönchen vom Orden des St. Augustinus aus Uedem, zu einem Kloster umgebaut wurde. Sie mussten also sehen, dass Sie noch vor Anbruch der Dunkelheit ein Quartier fanden.

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Der Klever Schwan kommt aus Nütterden – Abschnitt 2

Der Klever Schwan kommt aus Nütterden – Abschnitt 2

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Jan der Schwan sollte von nun an sein Begleiter sein. Sie zogen zügig an dem alten Försterhaus und dem Hof von „Bauer Anton“ in Nütterden vorbei. Kurz vor der gegenüber liegenden „Kochschen Papiermühle“ mussten sie einen kleinen Schlenker machen weil ein voll beladener Lastkahn Pappelholz bei der Mühle anlieferte. An der großen Holzbrücke, die über der Römerstraße gebaut war, saßen bei herrlichem Sonnenschein der alte Kromwijk, der mit seinen beiden Nachbarn Flintrop und Peters ein Pfeifchen rauchend, auf einer Bank. Sie wunderten sich kurz, das ein Schwan mit so einem stattlichen Ritter in einem Kahn auf der Renne unterwegs war. Dann unterhielten sie sich gestikulierend weiter. Die glänzende Ritterrüstung von Lohengrin strahlte schon von weitem, als ein Stückchen weiter der Müller Heinrich ob de Kamp vor seiner Getreidemühle stand und dem eigentümlichen Gefährt zu winkte. Die Renne war auf diesem Teilstück sehr schmal und sie mussten den Flößern, die ihre Baumstämme, die sie im Ketelwald geschlagen hatten, ausweichen. Jan und der Ritter schafften es heute nur bis zu einem stattlichen Bauernhof, der an der Ecke Schaafsweg/Lindenstrasse unmittelbar an der Renne lag.

Der Bauer Jakob war noch dabei die Kühe zu melken während zwei Knechte schwitzend einen kleinen Lastkahn mit Heu abluden. Sie hatten das Heu von den Wiesen an der Bruchschenstraße geerntet. Die Wege in der Niederung waren um diese Zeit sehr aufgeweicht, deshalb konnten sie nicht mit den schweren Holzwagen bis zum Hof fahren. Als die Bäuerin den Edelmann und den etwas erschöpften Jan sah, rief sie ihnen zu; „Gej twee könnt van nacht ob de Däl in de kamer van enen Knecht schlope, enn wat te äte heb ek ok noch för ow twee ,“ Sie lud die beiden in der hier üblichen Dialektsprache „Kleverländisch“ ein, die Nacht auf dem Hof zu verbringen. Wie selbstverständlich wurde Jan der Schwan als Mensch wahrgenommen. Lohengrin und Jan nahmen das freundliche Angebot der Bäuerin gerne an, denn sie hatten ja noch ein großes Stück ihrer Reise vor sich. Sie traten in die Küche ein und waren überrascht wie ungewöhnlich groß diese war. Die Stube war einfach eingerichtet, aber sehr sauber. An der Stirnwand befand sich ein riesiger „Bussem“ mit einen offenen Feuer. Auf der anderen Seite befand sich in der Ecke ein kleiner Hausaltar, so wie es sich für eine christliche Bauernfamilie ziemte. Hier in der Küche des Hofes fand das tägliche gemeinsame Leben der Bauernfamilie statt. Die Bäuerin wandte sich dem Ritter und seinem Begleiter Jan zu. „Ekk häb Supp ob et Führ, dat is läkkere Kernemelkse Papp met gedögte Prumme“ sprach sie „dor met heb ek eenentwentig Blaage groot getrokke, dor es för ow twee ock noch wat öwer“. Kaum hatte sie das ausgesprochen stürmten alle einundzwanzig Kinder in die Stube und versammelten sich an der großen Holztafel. Sie klapperten ungeduldig mit ihren Holzlöffeln an zwei große Schüsseln die auf dem Tisch standen. Die beiden Fremden wurden von den Kindern gar nicht wahrgenommen. Der Bauer war inzwischen aus dem Stall gekommen und nahm an der Kopfseite des Tisches platz. Dieser Platz war immer für den Vater reserviert, keiner sonst durfte hier sitzen. Wie auf Kommando waren die Kinder still und alle begannen wie im Chor ein Tischgebet zu sprechen, um Gott für die Speise zu danken, so wie es seit je her kannten. Erst dann füllte die Bäuerin aus einem großen, über dem offenen Feuer hängenden Kessel die heiße, nahrhafte Buttermilchsuppe mit getrockneten Pflaumen. Alle zusammen löffelten sie nun gemeinsam aus den beiden Schüsseln das Abendmahl. Dazu gab es noch für jeden ein deftiges Stück Brot, das bevor der Bauer es anschnitt, mit einem eingeritzten Kreuz auf der Unterseite versehen wurde, so wie es der christliche Brauch es verlangte. Die religiösen Rituale waren dem Ritter und dem Fischerjungen fremd, aber sie waren froh ein Nachtlager bei der Bauernfamilie gefunden zu haben. Am anderen Morgen herrschte schon sehr früh reges Treiben auf dem Hof, denn es war Erntezeit.

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Der Klever Schwan kommt aus Nütterden

Der Klever Schwan kommt aus Nütterden

Eine etwas andere Lohengrin Geschichte von Jan de Schwoon

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Das folgende Geschehen spielte sich so oder so ähnlich vor Urzeiten am Rande der eiszeitlichen Endmoränen in der Düffelt ab, die sich von Nimwegen bis nach Xanten hinzogen. Bewachsen war der Höhenzug mit dem Ketelwald (dem heutigen Reichswald), der überwiegend mit riesigen, dunklen Buchen- und Eichenbäumen bewachsen war. Aus den schroffen, zerklüfteten Hängen dieses Waldes, sprudelten hier die „Sieben Quellen“ von reinstem Wasser hervor. Die Quellen sammelten sich zu einem großen Teich, in Nütterden, einem Ort am Fuße des Höhenrückens. Aus diesem Teich speist sich die Renne, im Volksmund auch „et Renneken“ genannt. Dieser Fluss machte Nütterden zu einem wichtigen Handelsplatz in der Region. Die Renne war ein alter Schifffahrtsweg in der „Düffelt“, der durch den größten Hafen in der Region bei Zyfflich und dem Wyler Meer floss, ehe sie in die Waal bei Nimwegen mündete. Eine solche schiffbare Verbindung hatte die Renne auch mit dem „Groesbecker Bach“ bei Kranenburg und dem „Kermisdahl“ bei Kleve. Die gesamten Niederrheinlande konnte so über die wichtige Wasserstraße Renne zivilisiert werden und wichtige Güter transportieren. Über Landwege waren die Dörfer in der Düffelt nicht immer erreichbar, weil die gesamte Region immer wieder von Hochwasser bedroht war und weite Landflächen ein sumpfiges Moorgebiet war. Der große Quellteich in Nütterden, auch „Forellenteich“ genannt, wurde als Trinkwasser- und Fischreservoir von den Menschen über Jahrhunderte genutzt.

Hier nun, an dem mit hohen Pappeln dicht bepflanzten Ufer der Renne, nahe an einem alten Fischerhaus, geschah eines Tages etwas Geheimnisvolles. Ein starker, heller Sonnenstrahl durchbrach die hohen Bäume am Ufer der Renne und schien auf ein mit Silber- und Goldfäden durchwebtes Schwanennest. Bisher war es noch von keinem entdeckt worden. In dem ungewöhnlichen Nest befand sich nur ein einziges, schneeweißes Ei. Innerhalb von Sekunden zerbarst die Schale des Eies und unter den Klängen von mystischen Melodien trat ein stolzer, weißer Schwan hervor. Von den Schwaneneltern war allerdings weit und breit nichts zu sehen. Nur der alte, vergrämte Fischer schaute von seinem Platz auf, wo er gerade seine Fischnetze flickte und sah verwundert auf das Nest, als er eine Stimme vernahm, die zu dem so eben geschlüpften Schwan sprach; „Ich gebe dir den Namen Jan. Tue Gutes für die Menschen hier in den Niederrheinlanden und begleite sie schützend auf all ihren Wegen.“ Der Fischer sank vor Ehrfurcht auf die Knie, er konnte es kaum glauben, denn vor einem Jahr war sein einziger Sohn Jan beim Fischen in der Renne ertrunken. Seit dem Tod des Sohnes waren schwere Zeiten für den Fischer angebrochen, er konnte seine Frau und seine zwei kleinen Töchter nicht mehr richtig ernähren. Jetzt sah er mit freudigen Tränen in den Augen, seinen Sohn Jan in der Gestalt eines stolzen Schwanes wieder. Das geheimnisvolle an dem Geschehen war, das der gerade geborene Schwan Jan als mystisches Fabelwesen die Gestalt eines Menschen annehmen konnte, je nachdem wie die Umstände es erforderlich machten. Der helle Sonnenstrahl verblasste langsam und es war nur noch das leise säuseln des Windes in den Baumwipfeln vernehmbar. Die Fischerfamilie aber lebte von nun an wieder vereint und glücklich zusammen.

Bis, ja bis eines Tages ein Edelmann das einfache Fischerhaus betrat. „Ich bin Lohengrin“ stellte sich der edle Ritter vor. „Mein Vater ist Parzival, der Hüter des Heiligen Grals und der Hochmeister des Templeisen-Ordens. Diesem Ritter Orden gehöre auch ich an“. „Ich bin in geheimer Mission auf dem Weg nach Cleve“, fuhr der Ritter fort, „wo ich Elsa von Brabant heiraten werde. Habt ihr ein entsprechendes Schiff für mich. Auf dem beschwerlichen Weg hierhin bin ich mit einem alten römischen Lastkahn gefahren, das ist kein standesgemäßes Gefährt für mein Vorhaben.“ Der alte Fischer erschrak zuerst, denn er hatte schlechte Erfahrungen mit so manchem Edelmann gemacht. Normalerweise kamen solche hohe Herren nicht in seine bescheidene Behausung. Nachdem er sich von dem ersten Schreck erholt hatte, sagte er mir ehrfurchtsvoller Stimme zu dem Edelmann; „Da kann ich helfen edler Herr, mein Sohn Jan kann euch sicher bis nach Cleve bringen. Er wird ein Schiff ziehen, womit ihr in Cleve repräsentieren könnt. Kommt mit nach draußen dann werdet ihr es schon sehen.“ Vor dem Fischerhaus auf der Renne schwamm ein festlich geschmückter Kahn der von einem prächtigen, weißen Schwan an einer magischen, silbernen Kette gezogen wurde. Der Ritter war so begeistert, dass er den Fischer fürstlich entlohnte und in den Kahn einstieg. Seit Lohengrin dem Ritterorden vom heiligen Gral angehörte war er es gewohnt mit mystischen Fabelwesen um zu gehen. Es wunderte ihn darum auch nicht, dass er mit dem Schwan wie mit einem Menschen reden konnte.

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Burg Dahl und der Königsgarten

Burg Dahl und der Königsgarten
– Rosude, Jan, König Dahl und die Kermiden –

Und wieder eine tolle Kurzgeschichte von Jan de Schwoon. 🙂

burg dahl und der königsgarten

Rosude saß an einem lauen Sonntagmittag wieder einmal auf ihrer Lieblingsbank am Kermisdahl und ruhte sich von einer langen Wanderung aus als sie folgende Geschichte erlebte. Sie döste so vor sich hin und versuchte gedanklich mit Jan dem Fischersohn aus Nütterden in Verbindung zu treten. Da sie ebenso mit übersinnlichen, mystischen Fähigkeiten ausgestattet war wie Jan, gelang es ihr recht schnell mit ihm auf einer anderen, höheren Ebene, Kontakt auf zu nehmen. Rosude berichtete ihrem Freund Jan, dass sie vor einiger Zeit hier an dieser Bank am Kermisdahl ein ganz besonderes Erlebnis mit einer Wassernixe hatte. Neugierig geworden versprach ihr so schnell wie möglich vor Ort zu sein.

Rosude hatte gerade ihr mitgebrachtes Pausenbrot aus ihrer Tasche hervorgeholt, als eine kleine Wassernixe, gefolgt von einem weißen Schwan, aus dem Kermisdahl stieg. Zuerst dachte Rosude der stolze, weiße Schwan und die Nixe wollten ein Stückchen von ihrem Brot erbetteln. Aber nein schnell nahm der Schwan die Gestalt von Jan dem Fischersohn aus Nütterden an und die Wassernixe erzählte den Beiden von dem Volk der Kermiden die sich vor Urzeiten hier am Fluß niedergelassen hatten.

So wie es in der mystischen Märchenwelt üblich war, saßen nun alle drei wie selbstverständlich, nebeneinander auf der Bank. Die Kermiden seien ein kleines, friedliches Volk fuhr die Nixe fort, das über den Rhein und dem Kanal bis nach Kleve kam, um sich hier unterhalb von Cleve niederzulassen. Der Fluss versprach ein gutes Leben, er war reich an Fischen und an den Ufern waren auf der einen Seite saftig, grüne Wiesen und auf der anderen Seite ein stattlicher Wald zu finden. Also eine idealer Landstrich um sich anzusiedeln. Sie habe die Geschichte der Kermiden auf Wasserrosenblätter aufgeschrieben sagte die Nixe und versprach, dass sie sich noch öfter mit Rosude hier an der Bank treffen möchte, um in mehreren Episoden über das Leben der Kermiden zu berichten. So schnell wie die Wassernixe gekommen war, so schnell verschwand sie auch wieder in den Fluten des Flusses.

Jan hatte aufmerksam zugehört. Von dem Reich der Kermiden habe ich auch Kenntnis bekommen erklärte er Rosude und rückte, da nun mehr Platz auf der Bank war, etwas näher an sie heran. In einem alten Plan, den er mitgebracht hatte, ist eine Burg Dahl unterhalb eines Höhenzuges bei der Ansiedlung von Cleve eingezeichnet. Hier regierte vor Urzeiten der König Dahl und herrschte über sein fantastisches Kermidenvolk. Der König und seine Untertanen waren friedliche, arbeitsame Zeitgenossen, die über Jahrzehnte großen Reichtum angehäuft hatten. Die stattliche Burg und der großzügig angelegte Königsgarten gaben Zeugnis von ihrer feudalen Lebensweise, informierte Jan weiter.

Bei einer großen Sintflut, die den gesamten unteren Niederrhein heimsuchte, wurden die Burg Dahl und das Volk der Kermiden mit einem Schlag ausgelöscht.

In späterer Zeit nutzten erst die Klever Grafen die Gartenanlagen und dann im 17. Jahrhundert wurde von Kurfürst Friedrich III. an gleicher Stelle ein prachtvoller Landschaftsgarten errichtet. Nach der Krönung Friedrichs III. zum ersten König von Preußen wurde aus dem kurfürstlichen Garten wieder ein Königsgarten. Durch weitere Kriege wurde der Landschaftsgarten leider immer wieder zerstört.

Beim Bau des 1. Hallenbades Ende des 19. Jahrhunderts in Kleve, stieß man wieder auf alte Fundamente der Burg Dahl. Der Name des heutigen Flusses Kermisdahl, die Straße Königsgarten und die neuerdings angelegten Sichtachsen zur Schwanenburg, lassen die einstige Pracht des Landschaftsgartens und des tapferen Volkes der Kermiden mit ihrem König Heute noch erahnen.

Es war spät geworden auf der Bank am Kermisdahl. Rosude und Jan der Fischersohn aus Nütterden trennten sich mit dem guten Gefühl noch einige mystische und fantastische Geschichten besprechen zu wollen…

Der Köhler und das Goldene Kalb

Der Köhler und das Goldene Kalb

Dunkle Geschichten aus dem Reichswald.

Kurzgeschichte von Jan de Schwoon

der köhler und das goldene kalb

Der Köhler und das goldene Kalb

– Dunkle Geschichten aus dem Reichswald –

Es war Herbst geworden, die Bäume des Reichswaldes färben sich bereits und strahlen durch die tief stehende Sonne golden über die Niederrheinlande, als Jan der Fischersohn aus Nütterden eine Eingebung von dem alten, mystischen Meister Merlin erhielt.

Wie auch um Jan dem Fischersohn aus Nütterden, ranken sich viele Legenden um die Gestalt des Merlin. Ist er Druide, Zauberer, Weiser, Seher und Bewahrer eines Königreiches, das er in den Tiefen des Reichswaldes bei Grafwegen erschaffen hat? Seine ganze Existenz ist in ein Mysterium gehüllt, denn er stammt aus der Zeit der Kelten, vorchristlich und geheimnisvoll, sagenumwoben und nie ganz greifbar. Da Jan und Merlin übersinnliche Kräfte besitzen, können sie auch über eine andere, mystische Ebene miteinander kommunizieren. Merlin bittet Jan in seiner gleichnamigen Behausung in Grafwegen zu kommen um mit ihm gemeinsam die gefährlichen Dämonen zu bekämpfen, die seit geraumer Zeit ihr Unwesen im Reichswald treiben.

Mehr erfuhr Jan für den Moment nicht, als er sich Richtung Reichswald aufmachte um seinen Freund Merlin bei zu stehen. Am Waldrand bei Schottheide traf er Wemke den Besenbinder mit seiner Frau Dina betend in ihrer alten, armseligen Kate an. Da sie Kinderlos geblieben waren, hatten sie die beiden Kinder Finchen und Jüppke von Fritz dem Köhler aufgenommen, nachdem die Frau des Köhlers unter mysteriösen Umständen gestorben war.

Auf Nachfrage von Jan berichteten sie ihm unter Tränen das die beiden Kinder trotz des Verbotes von Stiefmutter Dina alleine in den Wald gegangen waren, um womöglich Waldbeeren zu pflücken. Als sie vor dem Dunkelwerden noch nicht zurück waren, machten sich Wemke und Dina große Sorgen. In letzter Zeit trieben sich dunkle Gestalten und Wegelagerer im Wald herum, die nichts Gutes im Schilde führten.

Die Besenbinder haben ein hartes Leben, aber die Heidelandschaft und der nahe Wald hier in Schottheide lieferte ihnen Brennholz für die Hausfeuerung und Ginster- und Birkenreisig zum Besenbinden. Diese Besen verkaufte Fritz dann bis nach Cranenburg und Cleve. Um überhaupt ihr karges Leben fristen zu können müssen alle Familienmitglieder hart mitarbeiten, auch die Kinder.

Jetzt ahnte Jan der Fischersohn mit seinen mystischen Fähigkeiten warum der Magier Merlin ihn um Hilfe gebeten hatte. Was war mit Finchen und Jüppke geschehen.

Nachdem er etwas kühles Quellwasser getrunken hatte, versprach er den Eheleuten zu helfen und verließ die Beiden eilenden Schrittes. Jan lief unbehelligt immer tiefer in den Reichswald hinein. Kurz vor der vierstämmigen Eiche Richtung Grafwegen bemerkte er schon den dichten Rauch des Meilers von Fritz dem Köhler. Dichte, schwarze Rauchschwaden waberten durch das dichte Geäst des Waldes, wodurch eine gespenstische Szenerie entstand.

Das Köhlerleben war zu allen Zeiten ein hartes und entbehrungsreiches Dasein. Tief in den Wäldern errichtete der Köhler seinen Meiler. Diese Kohlenmeiler fand man in großer Zahl im Reichswald, da Holzkohle früher dringend gebraucht wurde: für die Schmelzöfen des Erzes, die Schmiedewerkstätten, zur Färberei, in Chemie und Heilkunde und zur Herstellung von Schießpulver, auch die Mutter von Jan heizte ihr Bügeleisen mit Holzkohle. Da solch ein Meiler je nach Größe fünf bis acht Tage brannte, musste der Köhler die ganze Zeit über dort am Meiler verbleiben. Eine einfache Laub- und Mooshütte war dann seine Behausung. Ihre weit ab geschiedenen Arbeitsstätten machten sie zu scheuen und verschlossenen Menschen, die jedem misstrauten, nicht selten ledigen Standes blieben und immer darauf gefasst waren, sich gegen wilde Tiere und das umherstreunende Gesindel zu wehren, das aus ihren Hütten stahl während sie Tag und Nacht bei ihren Meilern wachen mussten. Die fertige Holzkohle verwahrten sie in trockenen Erdgruben die mit dürrem Reisig ausgelegt und mit Rinde abgedeckt waren. Das wenige, hart erarbeitete Geld, trugen sie bei sich oder vergruben es im Wald. Durch den jahrelangen Aufenthalt in den Wäldern verwilderten sie, ließen Haar und Bart wachsen und wuschen nur selten den Ruß von der Haut.

So traf Jan nun auch auf den Köhler Fritz. Dieser war ganz verzweifelt und brach zusammen, als er von Jan vernahm was geschehen war. Er flehte Jan an ihm zu helfen seine Kinder wieder zu finden, wofür sonst hatte er Jahre lang die schwere Arbeit als Köhler mit all den damit verbundenen Entbehrungen gemacht. Seine Kinder sollten es einmal besser haben als er und womöglich mal eine Schule besuchen. Dafür hatte er das sauer verdiente Geld gespart das er für den Verkauf der Holzkohle bekam.

Jan wurde nun auch immer unruhiger und eilte direkt zu der nicht mehr weit entfernten, geheimnisvollen Behausung von Meister Merlin am Waldrand von Grafwegen. Dieser empfing den Fischersohn freundlich in seinem alten Gemäuer. Jan ahnte nun warum Merlin ihn um Hilfe gebeten hatte. Der Magier war über die Jahrhunderte ein alter, körperlich gebrechlicher Mann geworden, dem es schwerer fiel in menschlicher Gestalt aufzutreten. Als mystischer Geist hatte er allerdings seine magischen Fähigkeiten behalten. Der Meister berichtete Jan nun was sich seit längerer Zeit hier im Reichswald für dämonisches Gesindel herumtrieb und riet Jan zur Eile, da die Kinder Finchen und Jüppke ganz in der Nähe wähnte.

An dem Hauptweg nach Grafwegen, der mitten durch den Reichswald führte, an einer kleinen Lichtung, befindet sich ein uralter Opferstein im Volksmund „Das Goldene Kalb“ genannt. Hier tanzen die satanischen Dämonen und opfern arme Seelen, die sie aus den Dörfern der Gegend rauben, um sie Satan zuzuführen. So auch die beiden Kinder aus Schottheide.

Sofort begannen Jan und Merlin ihre mystischen Kräfte zu bündeln, um mit magischen Formeln auf den Ort des Geschehens einzuwirken. Sie schafften es mit Ihrem positiven Gedankengut, das sich die Dämonen mit kreischendem Getöse entfernten. Ein schwefelhaltiger Geruch machte sich im Reichswald breit.

Die Kinder Finchen und Jüppke waren in letzter Sekunde gerettet worden. Sie nahmen die ganze Geschichte nur als bösen Traum war und konnten von Jan dem Fischersohn aus Nütterden zu ihren Vater Fritz dem Köhler wohlbehalten zurück gebracht werden.

Der Geist des großen Magiers Merlin lebt immer wieder in der Region um Grafwegen auf und wacht darüber das kein Unrecht geschieht. Wieder einmal hat sich bewahrheitet, das gemeinsam ausgeübte mystische Kräfte positives bewirken können…

Das Malefitz-Haus von Bimmen

Das Malefitz-Haus von Bimmen

Hier gibt es wieder eine spannende Kurzgeschichte von Jan de Schwoon, zu der er auch das Titelbild gestaltet hat.

das malefitzhaus von bimmen

Das Malefitzhaus von Bimmen

– Sind Kätchen, ihr Vater und die Bewohner von Bimmen noch zu retten –

Hier wird die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die der Hexerei beschuldigt und unmenschlichen seelischen und körperlichen Qualen ausgesetzt wird. Eine Geschichte aus der Düffelt, wie sie sich im Mittelalter mehrfach abgespielt haben könnte. In dieser Zeit nahm die Verfolgung von Menschen, die sich angeblich dem Teufel verschworen hatten, auch hier in den Niederrheinlanden unvorstellbare Ausmaße an.

Machtbesessene Kirchenfürsten, fanatische Theologen und pflichtbewusste Beamte bekämpften gnadenlos ein Verbrechen, dessen Existenz auch damals unter den Gelehrten schon umstritten war. Tief verwurzelter Aberglaube und die Angst vor teuflische Dämonen gab den Verfolgern den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung, menschliche Niedertracht führte zu Bespitzelungen und Denunziationen. Hohe und Niedrige, Arme und Reiche, Frauen, Männer und Kinder fielen der Brutalität der Hexenjustiz zum Opfer. Wer einmal in ihre Mühlen geriet, für den gab es kaum ein Entrinnen. Die meisten Personen in dieser Geschichte sind frei erfunden, die Täter und die Opfer. Die Verhöre, die Folterungen, sie könnten sich aber wirklich so abgespielt haben. Die Engstirnigkeit, die Grausamkeit, die Gemeinheit, es hat sie wirklich gegeben. Aber auch Beispiele von Hilfsbereitschaft, Tapferkeit, Einsicht und Zivilcourage. Sie können uns Mut machen, rechtzeitig gegen Verfolgung, Misshandlung und Rechtsbeugung zu protestieren. Denn die sind noch lange nicht aus unserer Welt verschwunden.

So eilte auch Jan der Fischersohn aus Nütterden zu seinem alten Freund, Bauer Wellem nach Bimmen, als er hörte, dass dessen Frau Minchen von den Schergen des Bischofs verschleppt worden war. Jan war in der ganzen Region dafür bekannt, das er mit seinen mystischen Fähigkeiten den Menschen half und die satanischen Dämonen vertreiben konnte. Kätchen die Tochter des Bauern hatte den Fischersohn Jan gerufen. Sie klagte ihm das ganze Leid das ihr und ihrer Familie mit dem bestialischen Tod der Mutter angetan wurde.

In dieser Zeit wurde das Verbrennen von vermeintlichen Hexen ärger als je zuvor. Denn überall sah der Klerus das Böse am Werk, da Bimmen einen unmittelbaren Zugang zum Rhein hatte und in direkter Nachbarschaft zu dem niederländischen Ort Millingen lag, vermuteten die Häscher des Bischofs besonders viele satanische Kräfte; jedes Hagelwetter, jede kranke Kuh und jeden verdorrten Halm hielten sie für eine Untat der verfluchten Hexensekte. Die fanatischen Ratgeber der geistlichen Elite, Gott allein weiß ob es gute Ratgeber waren, nährten die Glut ihres Zorns, bis sie zur lodernden Flamme wurde, die überall im Land die Scheiterhaufen entzündete. Größer und größer wurde die Zahl derer, die des Umgangs mit dem Bösen verdächtigt wurden und die alsbald durch grausame Folter die schrecklichsten Untaten eingestanden. Wie eine Seuche schien das Übel der bösen Zauberei das ganze Land befallen zu haben und je mehr Hexen ihre Untaten mit dem Leben büßten, um so mehr schienen sie in Freiheit ihr Unwesen zu treiben.

Schließlich soll der Pastor von Bimmen im Auftrag des Bischofs ein „Malefizhaus“ errichtet haben, in dem alle eingekerkert wurden, die Gott so schändlich verleugnet haben sollten. Dort trafen sie auf ihre Richter, dort wurde ihr Urteil gefällt. Niemand hat in jener Zeit das Malefitzhaus wieder verlassen, wenn er einmal darinnen war, es sei denn, um in dieser Welt seinen letzten Weg zu machen, zum Richtplatz am Schwarzen Kreuz, vor den Toren des Dorfes. Möge Gott ihrer aller Seelen gnädig sein!

Zu den ersten, die der Pfarrer im neuen Hexenhaus verwahren ließ, zählte Minchen, die Ehefrau des Bauern Wellem aus Bimmen. Bei der peinlichen Befragung unter der Folter ihrer Peiniger hatte sie gestanden, die Buhlin des Teufels geworden zu sein und mit ihren Hexenkünsten unfassbare Schandtaten begangen zu haben. Wir alle haben es nicht glauben wollen hatte Kätchen an Jan berichtet. Denn Minchen ihre Mutter war eine gottesfürchtige Frau, die die Gebote der heiligen Kirche achtete, den Armen reichlich gab und ihren Mann Wellem eine treue und gehorsame Hausfrau war. Aber das Urteil der drei gelehrten Männer, die ihre Richter waren, konnte wohl nicht bezweifelt werden. Und hatte sie nicht selbst ihre Schandtaten eingestanden? So waren wir dankbar für die Gnade, die ihr der Bischof erwies, berichtete Kätchen; Er ließ sie mit dem Schwert richten, bevor ihr Leib zu Pulver und Asche verbrannt wurde. Um das Böse, das sie vielleicht in unsere Herzen verpflanzt hatte, zu vertreiben, bemühte sich die ganze Familie von diesem Tag an mehr als je zuvor, gottgefällig zu leben.

Kätchen selbst war unerbittlich gegen sich, unerbittlicher noch, als es die strenge Zucht eines Klosters fordert, sie unterwarf ihren Geist und ihren Körper den härtesten Prüfungen, sie flehte zu Gott und allen Heiligen, sie möchten nun den Satan von ihr und den Menschen im Dorf fern halten. Aber es hat alles nichts helfen wollen. Der Fluch, der auf diesem Hof und seinen Bewohnern lag, hatte auch ihre Familie zerstört und ließ und lässt sie bis heute an der heiligen Mutter Kirche zweifeln, an ihrer Weisheit und Güte.

Unter Tränen berichtet Kätchen weiter, damit bin auch ich schuldig geworden, obwohl ich mich, Gott ist mein Zeuge, nie mit dem Satan eingelassen habe. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, so schlich sich der erste Zweifel in meine Seele, als sich der Tag zum ersten Mal jährte, an dem sie die Asche der Mutter vom Deich aus in alle Winde verstreut hatten. An diesem Tag nämlich kam Jan der Fischersohn aus Nütterden nach Bimmen…….

„Wat es dan met o loss, ek kenn o jo niet merr weer, wellt gej menen Win niet enz prüwe“ begrüßte Bauer Wellem auf „Kleverländisch“ den alten Freund Jan aus Nütterden, in der hier gebräuchlichen Umgangssprache. Aufmunternd hielt er seinem Gast das Glas entgegen, als er aus dem Stall kommend in die gute Stube eintrat.

„Hallo Wellem, mir ist nicht danach“, antwortete Jan ihm freundlich, „ich habe dringend mit Euch zu reden, nachdem deine Tochter Kätchen mir von eurem Unglück berichtet hat.“ Aber dann nahm Jan das Glas doch, kostete und schmatzte anerkennend. „Nicht schlecht, mein Lieber, wahrhaftig nicht schlecht!“ Er nahm noch einen Schluck und wischte sich den dünnen Bart, den er sich seit dem letzten Jahr hatte wachsen lassen. „In diesen miserablen Zeiten ist ein guter Wein so selten wie ein treuer Freund.“ Er seufzte. „Und das bringt mich wieder zu dem Grund meines Besuches.“

„Ach wat, Jan!“ Wellem winkte ab. „No kenn ek o all so lang, en ömmer heb gej ok wat bej ons gegäte, dan spreckt et sich öm so bäter.“ Er wandte den Kopf und rief: „Kätchen! Kätchen!“

Gleich darauf öffnete sich die Tür und Kätchen betrat die Stube. Sie war schlank und ziemlich groß. Unter einem weißen Häubchen quoll dichtes, dunkles Haar kaum gebändigt hervor und fiel in lockigen Strähnen in die Stirn. In ihrem blassen Gesicht glänzten die Augen groß und rund, Augen, die so dunkel waren, dass man die Pupillen darin nicht sah. Das Licht spiegelte sich in ihnen wie das Mondlicht in der nächtlichen Schwärze eines Sees; sie waren blank wie Glas und man konnte doch nicht hineinsehen. Als Jan für sich erkannte, dass er sie bewundert ansah, schoss ihm die Verlegenheitsröte ins Gesicht und hoffte das Kätchen dies nicht bemerkt hatte. Das Mädchen begrüßte den Gast mit einem freundlichen Nicken und meinte dann lächelnd: „Gelli welt bestemt dat ek en betje Fleiss en Brot breng.“

Bauer Wellem sah seine Tochter liebevoll an. „ Dat es lief van o mädje, dat heb gej rechteg gerooje.“ Kätchen nickte. „ Heb nog effkes gedöllt, et sal nit lang düre.“ Schweigend tranken die Männer ihren Wein und warteten, bis die junge Frau das Essen gebracht und den Raum wieder verlassen hatte. Nachdenklich sah Jan ihr hinterher. „Schön ist sie geworden“, sagte er, „so schön, wie ihre Mutter war. Wie alt ist sie jetzt?“

„Neegentin johr wört se van et fruchjohr“ antwortete Wellem stolz und atmete tief ein und aus. „Ihr solltet sie verheiraten, Wellem. Sonst kommt sie auch noch wie ihre Schwester auf dumme Gedanken und geht ins Kloster. Habt Ihr denn keinen jungen Mann, den ihr für würdig haltet…..“ versuchte Jan den Vater bei Laune zu halten.

„Würdig, würdig“, der Bauer schüttelte den Kopf. „Dor sal wäll imand te finde sin, mar se well nit, sej sett, se kos min nit alleen lote. En se hät rächt, se es min en groote hölp, sent ör moder dot es…… sej mekt denn hele huishalt för min….mar sej hett ören eigen kopp, en sej es nit vör een bröllft te hebbe. Määj gloof ek se hätt denn duiwel inet liff.“ Wellem unterbrach sich unvermittelt selbst und schlug plötzlich mit beiden Fäusten auf den Tisch, dass die Gläser klirrten und Jan heftig zusammenzuckte. „Bej alle hellige, dor wass et min fast wärr herüttgerutscht.“ Er versuchte zu lächeln, aber es gelang ihm nicht. Höhnisch fuhr er fort; „wat kiek je so, Jan? hätt o denn duiwel in et lif so bang gemakt? Glööf gej dat min dochter o ok verhext? Of sit gej bang dat sich de flur ob düt, en satan as dämon met et gesecht van onsen pastoor obstiegt, öm ons met de neme? Mischin es dän win dän wej drenke so gut, dat et duiwelswerk es? O minen liewen heer wat es blos loss met min?“ Der Hohn war aus seiner Stimme verschwunden, Kummer und Zorn mischten sich jetzt darin. Er griff nach seinem Glas und goss den Inhalt in einem Zug hinunter.

„Ihr solltet nicht so reden, Wellem!“, sagte Jan besorgt. „Seht ihr, das ist es, was ich euch sagen wollte: Ihr redet euch noch um Kopf und Kragen!“ Aber der Bauer hörte ihm gar nicht zu.

„De gottlose häxenbrut welle se ütrotte,“ sagte er wie zu sich selbst. „Mar könn gej Satan kapott kriege, wenn gej öre diener ömbrengt? Kann hej nit för jede Häx, die verbrennt, sofort zwee neje hebben, wän hej so machtig es, dat hej wiewer, pfaffen, börgermester, jo, en onschuldige kinder för sich lokt?“ Er sprang auf und lief unruhig im Zimmer auf und ab…. „Wor hen soll dat nog goon! Alle menze worren verbrannt, bes alleen nog mar dän pastoor en dän bischop öwer bliewe. Wo sal dat hen gan, et hele land wörd in de hand van denn düwel falle. Die motten dan et füür an et eige liff halde. Wenn et dan geen menze mer gefft kann et ok geeh Häxe mer gäwe. Off vergribbt sich den düwel dan an de pogge en kuhe?“ Redete Wellem sich in Rage und rieb sich die Augen, als erwache er aus einem bösen Traum. „Dor kan doch wat nit stemme Jan, hier hebbe so vööl met dän Düwel paktiert, so kann et doch nit wier gohn!“

„Halt, halt, halt, unterbrach ihn Jan energisch. „Da habt Ihr es doch wieder! Die Kirche mit ihren Helfern machen sich die Angst der Menschen zu Nutze, um sie zu knechten und auszubeuten. Wellem sah seinen Freund fassungslos an.

„Minen liewen Gott, Jan, so blind könt gej doch nit sinn. Dat könnt gej doch nit gutheißen! Dörf man enen volwassenen mens dän twiffel hät, wän hej trauer häft öm sin frau en sin dochter, dan ok nog enen prozess maake? Wor es door rächt en billigkeit?“ Der Bauer zuckte die Achseln.

„Ich habe nicht von gutheißen geredet. Ich habe nur gesagt, man brauche sich nicht zu wundern“ erwiderte Jan. Wellem hatte seine unruhige Wanderung wieder aufgenommen und beachtete Jan seinen Einwurf nicht.

„Bej onsen liewen Gott en alle Helligen, dat mott doch eneker ophöre! Wij well dan bestriehe dat dat böse exesteert. Äwel menze sin fehlbar, ok rechter en bischöfe.“ Er blieb stehen und starrte vor sich hin. „Minchen“, sagte er leise, „ nojt sal ek glöwe, dat se en Häx was. Nor dem die büttel van dän pastoor se in et Malefizhuis gebrocht hebbe, heb ek sej noit mer weergesien.“ Nun brach es endgültig aus Wellem heraus: „Wän se onder de marter vor pinn geschraut hät, ek heb et nit gehort. Wän se ängst vor dän dood gehät häft, ek heb et nit bemerkt. Dan hebbe se gesejt, dat se gestörwe es för ör sönd, en dat se et bereut heft, en ör eigengut an dän bischop vervallen es. Et heft geröchte gegewen, wat se alles gedon heft. Mar min het se et nit segge könne, dat met dän Düwel paktiert heft, en hostien geschändet heft, en dat se unschuldige menze gedood heft. En dorom glöf ek et ok nit! Ek glof erder, dat dat vermaledeide pfaffengesindel en sine koruppten rechter………“. Wellem brach regelrecht zusammen.

„Hört endlich auf!“ Jan schrie, aber man merkte ihm an, dass er es weniger aus Zorn als aus Sorge tat. „Zum letzten Mal, hört endlich auf, Wellem! Schon euch zuzuhören reicht, dass sich ein Mann verdächtig macht in diesen Zeiten. Jetzt lasst endlich mich reden! Setzt euch wieder zu mir!“ Wellem gehorchte, erstaunt über den unerwarteten Ausbruch, und Jan fuhr fort: „Ich bin gekommen als Euer Freund. Ich will, nein, ich muss Euch warnen. Euer loses Maul, wenn Ihr verzeiht, dass ich so offen rede, euer verdammtes loses Maul und dazu die Erbitterung über den Tod eurer Frau haben euch in eine gefährliche Lage gebracht. Neulich, während der Sitzung im Dorfrat, eure spitze Bemerkung über den Pastor und den Bischof war töricht, wenn du dich, trotz großer Trauer und Wut, nicht besinnst, wirst auch du und deine Tochter Kätchen sterben,“ leise fügte Jan hinzu, „ich kenne den Abt von Cleve sehr gut, der hat klar erkannt und auch schon ausgesprochen, dass die Hexenjäger, die sich so fromm gaben, weil sie angeblich den Teufel bekämpften, in Wirklichkeit mehr an die Macht des Teufels als an diejenige Gottes und Christi glaubten. Dieser Abt hat die Kraft und das Ansehen, um die fanatischen Auswüchse hier zu stoppen. Er wird uns helfen damit du mit deiner Tochter Kätchen und den anderen Dorfbewohnern von Bimmen wieder zur Ruhe kommst.“

Wellem seufzte tief durch als er die Worte von Jan vernahm, als seine Tochter Kätchen, die an der Tür gelauscht hatte, in die Stube trat. Sie sah Ihren Vater zusammen gekauert am Tisch sitzen und rüttelte ihn an den Schultern als sie verzweifelt rief; „Voder kom wer hoch, wej wollen bäje, en onsen echten, liewen Gott bedden en dank seggen, dat hej ons helpt, en dat alles wär gut wörd.“ Vater und Tochter sanken auf die Knie um zu beten, als Jan sich verabschiedete um sich nach Cleve auf zu machen. Er will den Abt bitten, dem unsinnigen Töten hier in Bimmen, Einhalt zu gebieten.

Schon kurze Zeit später vernahm Jan von seinem Freund, dem Bauer Wellem, die Nachricht, dass sich alles zum Guten gewendet hatte. Die Inquisition in Bimmen wurde abberufen und ein neuer Pastor eingesetzt. Das Malefitzhaus wurde abgerissen und ein Denkmal an dieser Stelle errichtet. Nun konnten die Menschen endlich der Opfer, nach ihren wahren christlichen Glauben, gedenken. Bauer Wellem hatte noch mehr freudiges zu berichten, seine Tochter hatte einen guten Mann gefunden. Alle wohnten nun zufrieden, in ihrem christlichen Glauben auf dem Hof in Bimmen, bis an ihr Lebensende.

Jan der Fischersohn aus Nütterden hatte mal wieder seine guten Fähigkeiten unter Beweis stellen können bis…………

Der Wächter von Netelenhorst

Der Wächter von Netelenhorst

Hier haben wir jetzt die nächste Kurzgeschichte, die uns Jan de Schwoon präsentiert. Auch für das großartige Titelbild zeichnet er verantwortlich. Viel Vergnügen beim Lesen.

der wächter vom netelenhorst

Der Wächter vom Netelenhorst
– Im Schatten des schwarzen Todes –

Eine schwere Zeit ist für die Menschen in den Niederrheinlanden angebrochen, denn nach einem dreißig Jahre lang dauernden Krieg mit Zerstörung und Plünderungen ist die Pest, auch hier ausgebrochen.

Abertausende Bewohner wurden Opfer des Krieges und nun wurden sie auch noch durch den schwarzen Tod dahin gerafft. Viele Menschen sind ohne ihr Hab und Gut auf der Flucht, um ihr nacktes Leben zu retten. Flüsse und Seen in der Düffelt sind durch die vielen Leichen und Tierkadaver verseucht. Das Wasser aus vielen Brunnen, dem Groesbecker Bach und des Wylermeeres ist schon lange nicht mehr trinkbar. Die Stadt Cranenburg hat seit einiger Zeit ihre Stadttore geschlossen und verriegelt, so das keiner mehr hinein oder heraus kann. Es herrscht große Not und Verzweiflung in der ganzen Region.

Die Quelle der Renne in Nütterden ist die Einzige weit und breit, die noch genießbares Trinkwasser führt und bisher von der Seuche verschont geblieben war. Es hat sich eine kleine Bürgerwehr von den noch verbliebenen Nütteranern gebildet, um die Quelle zu schützen. Als sich eines Tages drei vagabundierende Söldner mit finsteren Mienen der Quelle nähern, wurde es unruhig an der Quelle. Die drei sahen aus als würden sie auch Gewalt anwenden, um an sauberes Wasser zu kommen. Jan der Fischersohn aus Nütterden sitzt in der Nähe seines Hauses am Quellteich der Renne und beobachtet das Geschehen. Er hatte mit seinen mystischen Fähigkeiten einen unsichtbaren Schutzwall um die Quelle geschaffen, so das die Söldner keine Chance haben bis zur Quelle vor zu dringen.

„Haltet ein“ rief Jan den Fremden zu „füllt eure Flaschen und zieht weiter.“ Die Söldner hörten nicht auf Jan und prallten wie vom Blitz getroffen gegen die unsichtbare Schutzwand, die Jan geschaffen hatte. Als sie sich wieder erschreckt aufrappelten, wollten sie erneut die Quelle stürmen, aber wiederum wurden sie von unsichtbaren Mächten abgehalten und in die Luft geschleudert. Dabei verletzten sie sich gegenseitig mit Ihren Schwertern so schwer, dass sie tödlich getroffen zu Boden vielen.

„Ich werde mich nach Cleve aufmachen, um eine medizinische Abhandlung, die richtig angewandt, dem schwarzen Tod ein Ende bereiten wird zu holen“ wandte sich Jan an die erschreckte Bürgerwehr aus Nütterden. „Haltet Wache hier, dann wird euch nichts geschehen. Ich werde so schnell wie möglich Hilfe holen und nach Nütterden zurückkehren.“

Jan kannte im Franziskaner-Kloster zu Cleve den alten Mönch Sebastian, der ein kostbares Schriftstück von der letzten großen Pestepidemie aus dem 14. Jahrhundert aufbewahrte. Dieses Schriftstück wollte Jan holen um den Menschen in der ganzen Region zu helfen. Lebte der Mönch noch? War er noch im Besitz der medizinischen Abhandlung, die gegen die schreckliche Seuche wirksam war? Kam Jan überhaupt in die Stadt Cleve hinein? Viele Fragen gingen Jan durch den Kopf.

Um möglichst schnell nach Cleve zu gelangen, rief er den Fuhrmann Jupp mit seinen Pferd Mirka von der Wolfsbergstraße zu Hilfe. Zusammen machten die alten Freunde sich auf den Weg nach Cleve. Überall am Wegesrand lagen Leichen, die zum Teil von herum streunenden Tieren zerrissen wurden. In Donsbrüggen, bei dem Gasthaus Koekkoek, kam ihnen ein Zug von Geisslern entgegen. Diese merkwürdigen Gesellen versuchen durch Selbstbestrafung, Gott gnädig zu stimmen, um so der tödlichen Seuche zu entgehen. Sie kommen von Cleve und ihr Ziel ist die Walfahrtskirche in Cranenburg. Jupp führte den Wagen mit seiner Mirka zügig mit schnalzender Zunge an dem unwirklichen Anblick vorbei. In Höhe des Gnaden-Tals, waren die St. Augustinus Mönche dabei von der Pest befallende Menschen zu pflegen, so gut sie es mit ihren einfachen Mitteln nur konnten. Jan erkannte sofort, dass alle dem Tode geweiht waren und trieb seinen Freund Jupp zur Eile an.

Vor den Stadtmauern von Cleve angekommen, bot sich ihnen ein Bild des Grauens. Hunderte von Menschen, aus der gesamten Umgebung, lagen vor der Stadt. Große Stapel von toten Leibern wurden errichtet um sie schnell zu verbrennen. Ein beißender, unerträglicher Gestank machte sich breit. Schreiende menschliche Wesen, mit hässlich entstellenden, schwarzen Beulen am ganzen Körper, flehten um Hilfe. Einige wenige Bader, die sich trotz der tödlichen Ansteckungsgefahr eingefunden hatten, weil sie den leidenden Menschen auch noch die letzte Habe abknöpfen wollten, hatten begonnen die eiternden Geschwulze aufzuschneiden. Die Gefahr einer schnelleren Verbreitung der Seuche wurde durch ihr unwissendes Tun nur noch verstärkt. Jan erkannte das schnell und schickte seinen Freund Jupp mit seiner Mirka sofort zurück nach Nütterden, damit er sich nicht auch noch mit der tödlichen Krankheit ansteckte. Jan selbst konnte durch seine mystischen Fähigkeiten nichts geschehen, er war gegen alle Krankheiten immun.

Wie aber kam Jan nun in die Stadt Cleve. Alle Tore waren hier, wie schon die Tore in Cranenburg, verrammelt und verriegelt worden, damit sich die tödliche Seuche nicht noch stärker in der Stadt ausbreiten konnte. Jan konzentrierte sich einen Moment auf seine übernatürlichen, mystischen Fähigkeiten, als er sich des Junkers Alexander aus Donsbrüggen besann, den er schon bei früheren Aktionen kennen und schätzen gelernt hatte. Dieser Junker hatte vor einiger Zeit, so wusste Jan, die Turmwächter von Cleve zu beaufsichtigen. Mit Ihm versuchte Jan auf einer höheren, geistigen Ebene in Kontakt zu kommen und hoffte so, mit Alexanders Hilfe. in die Stadt und in das Minoritenkloster zu gelangen.

Plötzlich, wie von einer höheren Macht gesteuert, lief Jan ohne auf das weitere Geschehen um ihn herum zu achten, in Richtung Kermisdahlufer. Hier stand der Stadtturm Netelenhorst in der Stadtmauer, von hier aus wurde die Stadt gegen ungebetene Eindringlinge bewacht. Rechts von dem Turm war ein kleines Tor in der Stadtmauer, das sich nur für Jan sichtbar einen kleinen Spalt öffnete. Unbemerkt konnte Jan durch die Türe in den Klostergarten eintreten. Noch ehe er sich versah war die Türe wieder verschlossen und Junker Alexander stürmte auf Jan zu und umarmte den Freund herzlich. Alexander sah kränklich und erschöpft aus, da viele Turmwächter auch an der Seuche erkrankt waren, musste er mit nur wenigen Männern die Stadt schützen und auf den Stadttürmen rund um die Uhr Wache halten. Dennoch freuten sich die Beiden auf das Wiedersehen. Jan erklärte dem Junker seine Mission, der ihn sofort durch den großen „Monnikenbongert“ zum Kloster führte, bevor er sich wieder schnell auf seinen Wachposten auf dem Metelenhorst zurück begab. Nicht ohne vorherige Verabredung mit Jan, sich so bald wie möglich zu treffen, um von ihren Erlebnissen zu berichten.

Als Jan die Klosterpforte betrat sah er, dass das Kloster ebenfalls mit Kranken überfüllt war, die von den Mönchen gepflegt und versorgt wurden. Auch hier im Kloster machte sich ein süßlicher Verwesungsgeruch breit. Die Minoriten waren von Almosen der Bürger in Cleve abhängig, daher mussten sie akzeptieren, dass sowohl einige Klosterräume als auch ihr riesiger Klostergarten immer wieder für städtische Bedürfnisse genutzt wurden.

Mitten in dem hektischen Treiben traf Jan auf den alten Mönch Sebastian. Der alte Mönch saß zusammengekauert in einer Ecke des Chorgestühls und schien zu schlafen. Als Jan näher trat um mit ihm zu sprechen, öffnete Sebastian mühselig die dunkel umrandeten Augen und stammelte unverständliche Worte. Sein langes, schneeweißes Haar quoll unter der Kapuze der dunklen Kutte hervor, als Jan in das zerfurchte, sterbende Gesicht des Mönches sah. Jan holte eine kleine Flasche mit reinem Renneken-Quellwasser aus Nütterden unter seinem Rock hervor und träufelte dem Alten ein paar Tropfen davon auf die trockenen, rissigen Lippen. Immer wieder verlor der alte Mönch das Bewusstsein.

Sollte Jan zu spät gekommen sein? Waren die wichtigen Unterlagen zur Pestbekämpfung für immer verloren?

Immer wieder flößte Jan dem Sterbenden vorsichtig Rennekenwasser in den ausgetrockneten Mund. Und siehe da, mit seinen letzten Kräften schob Sebastian seine dünnen, grauen Hände unter Kutte hervor, in denen er eine Rolle mit alten Schriften hielt. Er übergab diese Rolle mit zitternden Händen an Jan mit den leisen Worten; „gehe hin und tue Gutes“ und fügte kaum hörbar hinzu „so wahr dir Gott helfe“, dann sackte der alte Mönch in sich zusammen und ging den Weg allen Irdischen. Jan war zuerst erschrocken über den Tod des alten Weggefährten, versteckte dann aber die wichtigen Schriftrollen in seinem Gewandt.

Schnell suchte er den Abt des Klosters auf um diesen über den Tot von Sebastian und die geheime Schrift zu unterrichten. Gleichzeitig bittet Jan den Abt, ihn bei der Durchführung zur Bekämpfung der Seuche zu helfen. Als hätte der Abt auf die Aufforderung von Jan gewartet, stellte er sofort eine Gruppe von gelehrten Mönchen und weltlichen Laien zusammen die über Stadt und Land ziehen sollen, um die Lehre der Seuchenbekämpfung, wie sie in den alten Schriftrollen beschrieben war, zu vermitteln. Endlich wurde ein Mittel für alle Menschen bekannt gemacht, wie die schreckliche Pest überwunden werden konnte. Es sollte allerdings noch Jahre dauern bis die letzten Spuren der Katastrophe aus dem Leben der Menschen verschwunden waren.

Jan hatte wieder einmal seine Mission erfüllt und kehrte zufrieden in sein Fischerhaus nach Nütterden zurück. Auch hier in Nütterden normalisierten sich die Verhältnisse Dank Jan’s unermüdlichen Einsatzes wieder.

Die Stege von Kleve

Die Stege von Kleve

Auf diesem Bild wird die Frage gestellt, warum der Wirt der Gaststätte „Zum Kurfürsten“ vor einigen Jahren seine Kneipe aufgab. Nun – bei diesem miesen Niederrhein-Wetter haben sich nicht viele Gäste dahin verlaufen. Es könnte allerdings auch an der daneben befindlichen Koekkoekstege liegen, der man mystische Dinge nachsagt. Aber dazu kann man am Besten Dieter Borrmann, den Autor des Romans „Die KoekkoeksKrähe“ befragen. Man trifft ihn in seiner Facebook-Gruppe „Mysteriöses Cleverland“. 😉

Übrigens: den Roman und weitere Bücher von ihm kann man auch hier bei KLE-Blatt nachlesen.

koekkoekstege
(Foto: Dieter Borrmann)

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