{"id":15948,"date":"2015-08-19T07:20:04","date_gmt":"2015-08-19T05:20:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/?p=15948"},"modified":"2015-07-29T17:46:01","modified_gmt":"2015-07-29T15:46:01","slug":"geheimnisvolles-materborn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/buecher-ueber-kleve\/klever-platt\/geheimnisvolles-materborn.html","title":{"rendered":"Geheimnisvolles Materborn"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geheimnisvolles Materborn<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Kurzgeschichte starten wir eine neue Serie von interessanten Erz\u00e4hlungen &#8211; teilweise sogar in Klever Platt -, die von Jan de Schwoon stammen. Viel Vergn\u00fcgen mit diesen kurzweiligen Episoden aus unserer Heimat.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/geheimnisvolles-materborn.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-15949\" src=\"http:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/geheimnisvolles-materborn.jpg\" alt=\"geheimnisvolles materborn\" width=\"650\" height=\"415\" srcset=\"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/geheimnisvolles-materborn.jpg 650w, https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/geheimnisvolles-materborn-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>&#8211; Wie verschwand die hl. Hand von Anneken? &#8211;<\/strong><\/p>\n<p>In den Kleverlanden hatte es sich herum gesprochen, dass Jan der Fischersohn aus N\u00fctterden seine mystischen F\u00e4higkeiten f\u00fcr die Menschen in der Region einsetzte. Nachdem er die Unterwelt von N\u00fctterden von den satanischen D\u00e4monen befreit hatte, meldete sich auch Wolfgang L. aus Materborn bei Jan.<\/p>\n<p>\u201eGefft et sowat ok bej ons in Materborn\u201c fragte Wolfgang neugierig auf Kleverl\u00e4ndisch, \u201een hebben di alde G\u00e4ng van N\u00f6ttere een Verbindung norr Materborn?&#8220; fragte er gespannt bei Jan nach, \u201enor de Kriech hebbe se doch de \u201eHand van ons Anneken\u201c \u00fctt de Kap\u00e4ll van Materborn geklaut. Ek was in denn Titt nog enne kleine Jong, mar minen Grootvader h\u00e4tt \u00f6mmer vert\u00e4llt dat die Schabel\u00f6nders d\u00f6rr dij onderirdische G\u00e4ng van de Kap\u00e4ll bess nor N\u00f6ttere afgehaue sin. K\u00f6nnt gej min h\u00e4lpe off et so es, dat et dor en Verbindung gefft? Alde Materbornse hebben \u00f6mmer vert\u00e4llt, dat d\u00e4n Duivel dor onder in de Katakomben sett.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa kann ich noch gar nichts zu sagen\u201c antwortete Jan ihm freundlich, \u201egerne helfe ich dir weiter, aber ich will erst in den alten Unterlagen und Pl\u00e4nen nachschauen, die ich aus den Katakomben vom Hingstberg in N\u00fctterden retten konnte. Am besten wir treffen uns am Samstagmittag bei Schneiders auf der Dorfstrasse in Materborn, dann sehen wir weiter.\u201c<\/p>\n<p>Es war etwas regnerisch, als Jan durch die bleiverglaste T\u00fcre in das Gasthaus Schneiders eintrat. Heinz-G\u00fcnter, der Wirt musterte den Ank\u00f6mmling skeptisch von oben bis unten, tat dann aber so, als s\u00e4he er den Gast gar nicht und zapfte weiter an einem Glas Bier hinter seiner Theke. Jan setzte sich an den gro\u00dfen runden Tisch direkt am Eingang. Marion die Wirtsfrau, die dabei war Gl\u00e4ser zu sp\u00fclen, wischte sich die H\u00e4nde trocken und fragte Jan dann freundlich \u201ewas darf es sein?\u201c Jan bestellte ein Bier und fragte nach, ob sie einen Wolfgang L. kenne. \u201eden kenne ich gut\u201c antwortete die Wirtsfrau, &#8222;der sitzt gerade bei \u201eTante \u00c4nne\u201c in der K\u00fcche und spricht mit ihr \u00fcber alte Geschichten aus Materborn.\u201c Kaum hatte sie das ausgesprochen kamen Wolfgang und Tante \u00c4nne auch schon aus der K\u00fcche und setzten sich bei Jan an den Tisch.<\/p>\n<p>\u201eDat es jo prima Jan, dat gej ons wat \u00f6wer die alde G\u00e4ng vertelle wellt\u201c kam sie auf Jan zu, \u201evan et fruchjor hebbe se ennen Maiboom hier bej ons op d\u00e4n Hoff obgesett. Dorbej sin se bej et ingrawe van d\u00e4n Boom ok op en gem\u00e4tzelte Muur gestoote. D\u00e4n Maiboom es dorbej 3 Meter ingesackt. En de Menze hadden dad\u00f6r van det Johr mar enen korte Maibom, worr se niet doronder Danze kose\u201c, sprudelte es aus Tante \u00c4nne auf Kleverl\u00e4ndisch hervor. \u201eEn v\u00f6r de Kap\u00e4ll es vor kortem ok en grot Lokk in de Stroot ingebroke. Dat h\u00e4tt doch bestemmt ok met di alde G\u00e4ng te duun\u201c begr\u00fc\u00dfte auch Wolfgang den Besucher aus N\u00fctterden. Nachdem alle Platz genommen hatten und Marion die Wirtsfrau f\u00fcr alle Getr\u00e4nke gebracht hatte, breitete Jan seine mitgebrachten Unterlagen aus.<\/p>\n<p>\u201eIch habe tats\u00e4chlich einen alten Plan und Unterlagen in meinem Archiv gefunden, danach gab es eine unterirdische Verbindung von Materborn nach N\u00fctterden\u201c, begann Jan in die staunende Runde zu berichten. \u201eVon der St. Anna Kapelle, zur sp\u00e4teren St. Anna Kirche, bis hier unter ihrem Gasthaus hindurch war eine erste Verbindung bis Burg Ranzow\u201c fuhr Jan fort \u201e M\u00f6glicherweise hat der Erbauer der Burg, Georg Friedrich Ludwig von Nassau-Siegen im 17. Jahrhundert die unterirdischen Katakomben erbaut, um auf diesem Wege zum Beten in die St. Anna Kapelle zu gelangen. Die Kapelle hatte zu diesem Zeitpunkt schon rund 200 Jahre bestanden. Sp\u00e4ter im 18. Jahrhundert als Julius Ferdinand Graf von Ranzow die Burg erwarb und ihr auch seinen Namen gab, baute dieser m\u00f6glicherweise auch den geheimen Gang weiter. Im 20. Jahrhundert soll der alte Pastor Heinrichs die G\u00e4nge noch genutzt haben um von der Kirche unerkannt hier in die Gastwirtschaft zu kommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDor heb ek ewel nex van geweete\u201c unterbrach die streng gl\u00e4ubige Tante \u00c4nne barsch die Ausf\u00fchrungen von Jan \u201eonsen Heerome es \u00f6mmer d\u00f6r de Voord\u00f6\u00f6r gekomme, mar now\u201c zweifelte sie pl\u00f6tzlich \u201ewie gej dat so vert\u00e4llt, ek was nog en Kind, mar now k\u00f6mmt et min w\u00e4r inne Senn, in d\u00e4n alden Kr\u00fcppkelder onder de K\u00f6\u00f6k was en tugem\u00e4zelte D\u00f6\u00f6r. Et kann gut sin, dat et dor norr die alde G\u00e4ng ging.\u201c<\/p>\n<p>Bevor Jan die alten Pl\u00e4ne weiter erkl\u00e4ren konnte, vernahmen sie aus dem kleinen Saal, der nur durch eine kleine Fl\u00fcgelt\u00fcr von der Gastwirtschaft getrennt war, den alt bekannten Klang eines Liedes. Der M\u00e4nnergesangverein von Materborn hielt seine w\u00f6chentliche Gesangsprobe ab. Voll Inbrunst sangen sie das von Johann Thyssen kreierte Materborner Heimatlied;<\/p>\n<p>Liegt ein D\u00f6rflein still vertr\u00e4umt am Waldessaum,<br \/>\nstiller Friede liegt hier \u00fcber Feld und Raum<br \/>\njeder Fremde ist von seinem Reiz gebannt.<br \/>\nSoll ich dir sagen wie das D\u00f6rflein wird genannt:<\/p>\n<p>O, Materborn, du bist die Heimat mein<br \/>\nder Materborner Schweiz geh\u00f6r ich ganz allein;<br \/>\nwo meine Wiege stand, wo ich ging ein und aus,<br \/>\nda ist die Heimat mein, da steht mein Vaterhaus!<\/p>\n<p>Wo ich als Kind so gern gespielt, getollt, gelacht,<br \/>\nwo \u00e4ngstlich mir die Mutter jeden Schritt bewacht,<br \/>\nwo ich als junger Bursch\u00b4 voll \u00dcbermut gesch\u00e4umt,<br \/>\nwo z\u00e4rtlich ich den ersten Liebestraum getr\u00e4umt.<\/p>\n<p>Und wenn ich einst aus diesem Leben scheiden muss,<br \/>\ndir stilles Heimatd\u00f6rflein gilt mein letzter Gruss;<br \/>\ndr\u00fcckt mir der Tod dereinst die m\u00fcden Augen zu,<br \/>\nfind\u00b4 ich, so Gott es will, bei dir die ew\u00b4ge Ruh\u00b4!<\/p>\n<p>Das Gasthaus hatte sich inzwischen gef\u00fcllt und alle Heimatverbundene G\u00e4ste sangen dieses Lied mit. Als es wieder etwas ruhiger geworden war und alle einen guten Schluck aus ihren Gl\u00e4sern genommen hatten, schauten Wolfgang und Tante \u00c4nne erwartungsvoll auf Jan, bevor dieser mit seinen Erkenntnissen fortfuhr.<\/p>\n<p>\u201eDer Graf von Ranzow soll die unterirdischen G\u00e4nge als Fluchtwege, die bei eventuellen Kriegen genutzt werden konnten, gebaut haben. Der n\u00e4chste Abschnitt ging zun\u00e4chst bis \u201eHaus Bresserberg\u201c. Als der Schuhfabrikant Gustav Hoffmann das Anwesen Anfang des 20. Jahrhundert kaufte, sollen die Bauarbeiter beim Umbau auf den alten Gang gesto\u00dfen sein. Sp\u00e4ter kauften die Eheleute Schmitz das Haus und bauten es zu einem \u00fcber die Grenzen von Materborn hinaus bekannten Tanzlokal um. Der so genannte niedere und h\u00f6here Klever Adel verkehrte in dem Haus. Es ging schon damals das Ger\u00fccht um, das ganz mutige T\u00e4nzer in den Katakomben von Bresserberg nicht nur getanzt h\u00e4tten.\u201c \u201eBei Puppa Schmitzt war ich auch schon mal tanzen\u201c unterbrach ihn nun Wolfgang und verdrehte dabei vielsagend die Augen, bevor Jan fort fuhr.<\/p>\n<p>\u201eVon hier aus, so steht es in dem alten Plan, gelangt man zu einem gr\u00f6\u00dferen Stollen auf dem Galgenberg. Als Ende des 19. Jahrhunderts hier ein Aussichtsturm errichtet wurde, soll man hier auf ein gro\u00dfes Gew\u00f6lbe gefunden haben, worauf der fr\u00fchere Scharfrichter von Cleve vom 16. bis 18. Jahrhundert die Todesurteile vollstreckte. \u00dcber Haus Ida, dem Tiergartenwald und der Schlucht bei Donsbr\u00fcggen soll dann ein langer Gang bis zum alten Forsthaus an den Sieben Quellen gebaut worden sein. Aus meinen Unterlagen ist nicht ganz ersichtlich wer diesen Abschnitt gebaut hat\u201c endete Jan mit seinem Vortrag.<\/p>\n<p>\u201eDat es jo en Deng\u201c staunte Tante \u00c4nne nicht schlecht \u201e wat gej dor alles her\u00fctt gevonde hebt\u201c sie schlug Jan anerkennend auf die Schulter und verschwand wieder in ihre K\u00fcche. \u201eEn wat es met die Dieve, die norr de Kriech de hl. Hand van ons Anneke gestoole hebbe? Sinn die d\u00f6rr die alde G\u00e4ng gefl\u00f6cht?\u201c fragte Wolfgang noch mal an Jan gerichtet. \u201eM\u00f6glich ist es\u201c erwiderte Jan \u201eich kann aus den mir bekannten Unterlagen nicht erkennen ob die unterirdische Verbindung nach dem 2. Weltkrieg noch bestand oder heute noch besteht. Das m\u00fcssten weitere, neuere Untersuchungen ergeben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDan segg ek o van Horte bedankt Jan, gej hebt min v\u00f6\u00f6l vert\u00e4llt, wat ek s\u00f6nst noit erfoore hatt van min Heimat. Lott ons nog en biertje drenke, fless geeft et nog meer materbornse dij wat meer weete\u201c. Wolfgang bestellte noch mehrere Biere bevor sich die beiden, das Materborner Lied singend, auf den Heimweg machten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geheimnisvolles Materborn Mit dieser Kurzgeschichte starten wir eine neue Serie von interessanten Erz\u00e4hlungen &#8211; teilweise sogar in Klever Platt -, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/buecher-ueber-kleve\/klever-platt\/geheimnisvolles-materborn.html\" class=\"more-link\"><span class=\"more-button\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Geheimnisvolles Materborn<\/span><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[615,13],"tags":[3332],"class_list":["post-15948","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-clevia-akten-mystische-geschichten","category-klever-platt","tag-geheimnisvolles-materborn"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15948","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15948"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15948\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15948"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15948"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15948"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}