{"id":17084,"date":"2024-11-08T06:20:20","date_gmt":"2024-11-08T04:20:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/?p=17084"},"modified":"2024-10-02T11:47:05","modified_gmt":"2024-10-02T09:47:05","slug":"der-waechter-von-netelenhorst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/buecher-ueber-kleve\/clevia-akten-mystische-geschichten\/der-waechter-von-netelenhorst.html","title":{"rendered":"Der W\u00e4chter von Netelenhorst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der W\u00e4chter von Netelenhorst<\/strong><\/p>\n<p>Hier haben wir jetzt die n\u00e4chste Kurzgeschichte, die uns Jan de Schwoon pr\u00e4sentiert. Auch f\u00fcr das gro\u00dfartige\u00a0Titelbild zeichnet er verantwortlich. Viel Vergn\u00fcgen beim Lesen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/der-w\u00e4chter-vom-netelenhorst.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-17085 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/der-w\u00e4chter-vom-netelenhorst.jpg\" alt=\"der w\u00e4chter vom netelenhorst\" width=\"850\" height=\"804\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Der W\u00e4chter vom Netelenhorst<\/strong><br \/>\n<strong> &#8211; Im Schatten des schwarzen Todes &#8211;<\/strong><\/p>\n<p>Eine schwere Zeit ist f\u00fcr die Menschen in den Niederrheinlanden angebrochen, denn nach einem drei\u00dfig Jahre lang dauernden Krieg mit Zerst\u00f6rung und Pl\u00fcnderungen ist die Pest, auch hier ausgebrochen.<\/p>\n<p>Abertausende Bewohner wurden Opfer des Krieges und nun wurden sie auch noch durch den schwarzen Tod dahin gerafft. Viele Menschen sind ohne ihr Hab und Gut auf der Flucht, um ihr nacktes Leben zu retten. Fl\u00fcsse und Seen in der D\u00fcffelt sind durch die vielen Leichen und Tierkadaver verseucht. Das Wasser aus vielen Brunnen, dem Groesbecker Bach und des Wylermeeres ist schon lange nicht mehr trinkbar. Die Stadt Cranenburg hat seit einiger Zeit ihre Stadttore geschlossen und verriegelt, so das keiner mehr hinein oder heraus kann. Es herrscht gro\u00dfe Not und Verzweiflung in der ganzen Region.<\/p>\n<p>Die Quelle der Renne in N\u00fctterden ist die Einzige weit und breit, die noch genie\u00dfbares Trinkwasser f\u00fchrt und bisher von der Seuche verschont geblieben war. Es hat sich eine kleine B\u00fcrgerwehr von den noch verbliebenen N\u00fctteranern gebildet, um die Quelle zu sch\u00fctzen. Als sich eines Tages drei vagabundierende S\u00f6ldner mit finsteren Mienen der Quelle n\u00e4hern, wurde es unruhig an der Quelle. Die drei sahen aus als w\u00fcrden sie auch Gewalt anwenden, um an sauberes Wasser zu kommen. Jan der Fischersohn aus N\u00fctterden sitzt in der N\u00e4he seines Hauses am Quellteich der Renne und beobachtet das Geschehen. Er hatte mit seinen mystischen F\u00e4higkeiten einen unsichtbaren Schutzwall um die Quelle geschaffen, so das die S\u00f6ldner keine Chance haben bis zur Quelle vor zu dringen.<\/p>\n<p>\u201eHaltet ein\u201c rief Jan den Fremden zu \u201ef\u00fcllt eure Flaschen und zieht weiter.\u201c Die S\u00f6ldner h\u00f6rten nicht auf Jan und prallten wie vom Blitz getroffen gegen die unsichtbare Schutzwand, die Jan geschaffen hatte. Als sie sich wieder erschreckt aufrappelten, wollten sie erneut die Quelle st\u00fcrmen, aber wiederum wurden sie von unsichtbaren M\u00e4chten abgehalten und in die Luft geschleudert. Dabei verletzten sie sich gegenseitig mit Ihren Schwertern so schwer, dass sie t\u00f6dlich getroffen zu Boden vielen.<\/p>\n<p>\u201eIch werde mich nach Cleve aufmachen, um eine medizinische Abhandlung, die richtig angewandt, dem schwarzen Tod ein Ende bereiten wird zu holen\u201c wandte sich Jan an die erschreckte B\u00fcrgerwehr aus N\u00fctterden. \u201eHaltet Wache hier, dann wird euch nichts geschehen. Ich werde so schnell wie m\u00f6glich Hilfe holen und nach N\u00fctterden zur\u00fcckkehren.\u201c<\/p>\n<p>Jan kannte im Franziskaner-Kloster zu Cleve den alten M\u00f6nch Sebastian, der ein kostbares Schriftst\u00fcck von der letzten gro\u00dfen Pestepidemie aus dem 14. Jahrhundert aufbewahrte. Dieses Schriftst\u00fcck wollte Jan holen um den Menschen in der ganzen Region zu helfen. Lebte der M\u00f6nch noch? War er noch im Besitz der medizinischen Abhandlung, die gegen die schreckliche Seuche wirksam war? Kam Jan \u00fcberhaupt in die Stadt Cleve hinein? Viele Fragen gingen Jan durch den Kopf.<\/p>\n<p>Um m\u00f6glichst schnell nach Cleve zu gelangen, rief er den Fuhrmann Jupp mit seinen Pferd Mirka von der Wolfsbergstra\u00dfe zu Hilfe. Zusammen machten die alten Freunde sich auf den Weg nach Cleve. \u00dcberall am Wegesrand lagen Leichen, die zum Teil von herum streunenden Tieren zerrissen wurden. In Donsbr\u00fcggen, bei dem Gasthaus Koekkoek, kam ihnen ein Zug von Geisslern entgegen. Diese merkw\u00fcrdigen Gesellen versuchen durch Selbstbestrafung, Gott gn\u00e4dig zu stimmen, um so der t\u00f6dlichen Seuche zu entgehen. Sie kommen von Cleve und ihr Ziel ist die Walfahrtskirche in Cranenburg. Jupp f\u00fchrte den Wagen mit seiner Mirka z\u00fcgig mit schnalzender Zunge an dem unwirklichen Anblick vorbei. In H\u00f6he des Gnaden-Tals, waren die St. Augustinus M\u00f6nche dabei von der Pest befallende Menschen zu pflegen, so gut sie es mit ihren einfachen Mitteln nur konnten. Jan erkannte sofort, dass alle dem Tode geweiht waren und trieb seinen Freund Jupp zur Eile an.<\/p>\n<p>Vor den Stadtmauern von Cleve angekommen, bot sich ihnen ein Bild des Grauens. Hunderte von Menschen, aus der gesamten Umgebung, lagen vor der Stadt. Gro\u00dfe Stapel von toten Leibern wurden errichtet um sie schnell zu verbrennen. Ein bei\u00dfender, unertr\u00e4glicher Gestank machte sich breit. Schreiende menschliche Wesen, mit h\u00e4sslich entstellenden, schwarzen Beulen am ganzen K\u00f6rper, flehten um Hilfe. Einige wenige Bader, die sich trotz der t\u00f6dlichen Ansteckungsgefahr eingefunden hatten, weil sie den leidenden Menschen auch noch die letzte Habe abkn\u00f6pfen wollten, hatten begonnen die eiternden Geschwulze aufzuschneiden. Die Gefahr einer schnelleren Verbreitung der Seuche wurde durch ihr unwissendes Tun nur noch verst\u00e4rkt. Jan erkannte das schnell und schickte seinen Freund Jupp mit seiner Mirka sofort zur\u00fcck nach N\u00fctterden, damit er sich nicht auch noch mit der t\u00f6dlichen Krankheit ansteckte. Jan selbst konnte durch seine mystischen F\u00e4higkeiten nichts geschehen, er war gegen alle Krankheiten immun.<\/p>\n<p>Wie aber kam Jan nun in die Stadt Cleve. Alle Tore waren hier, wie schon die Tore in Cranenburg, verrammelt und verriegelt worden, damit sich die t\u00f6dliche Seuche nicht noch st\u00e4rker in der Stadt ausbreiten konnte. Jan konzentrierte sich einen Moment auf seine \u00fcbernat\u00fcrlichen, mystischen F\u00e4higkeiten, als er sich des Junkers Alexander aus Donsbr\u00fcggen besann, den er schon bei fr\u00fcheren Aktionen kennen und sch\u00e4tzen gelernt hatte. Dieser Junker hatte vor einiger Zeit, so wusste Jan, die Turmw\u00e4chter von Cleve zu beaufsichtigen. Mit Ihm versuchte Jan auf einer h\u00f6heren, geistigen Ebene in Kontakt zu kommen und hoffte so, mit Alexanders Hilfe. in die Stadt und in das Minoritenkloster zu gelangen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich, wie von einer h\u00f6heren Macht gesteuert, lief Jan ohne auf das weitere Geschehen um ihn herum zu achten, in Richtung Kermisdahlufer. Hier stand der Stadtturm Netelenhorst in der Stadtmauer, von hier aus wurde die Stadt gegen ungebetene Eindringlinge bewacht. Rechts von dem Turm war ein kleines Tor in der Stadtmauer, das sich nur f\u00fcr Jan sichtbar einen kleinen Spalt \u00f6ffnete. Unbemerkt konnte Jan durch die T\u00fcre in den Klostergarten eintreten. Noch ehe er sich versah war die T\u00fcre wieder verschlossen und Junker Alexander st\u00fcrmte auf Jan zu und umarmte den Freund herzlich. Alexander sah kr\u00e4nklich und ersch\u00f6pft aus, da viele Turmw\u00e4chter auch an der Seuche erkrankt waren, musste er mit nur wenigen M\u00e4nnern die Stadt sch\u00fctzen und auf den Stadtt\u00fcrmen rund um die Uhr Wache halten. Dennoch freuten sich die Beiden auf das Wiedersehen. Jan erkl\u00e4rte dem Junker seine Mission, der ihn sofort durch den gro\u00dfen \u201eMonnikenbongert\u201c zum Kloster f\u00fchrte, bevor er sich wieder schnell auf seinen Wachposten auf dem Metelenhorst zur\u00fcck begab. Nicht ohne vorherige Verabredung mit Jan, sich so bald wie m\u00f6glich zu treffen, um von ihren Erlebnissen zu berichten.<\/p>\n<p>Als Jan die Klosterpforte betrat sah er, dass das Kloster ebenfalls mit Kranken \u00fcberf\u00fcllt war, die von den M\u00f6nchen gepflegt und versorgt wurden. Auch hier im Kloster machte sich ein s\u00fc\u00dflicher Verwesungsgeruch breit. Die Minoriten waren von Almosen der B\u00fcrger in Cleve abh\u00e4ngig, daher mussten sie akzeptieren, dass sowohl einige Klosterr\u00e4ume als auch ihr riesiger Klostergarten immer wieder f\u00fcr st\u00e4dtische Bed\u00fcrfnisse genutzt wurden.<\/p>\n<p>Mitten in dem hektischen Treiben traf Jan auf den alten M\u00f6nch Sebastian. Der alte M\u00f6nch sa\u00df zusammengekauert in einer Ecke des Chorgest\u00fchls und schien zu schlafen. Als Jan n\u00e4her trat um mit ihm zu sprechen, \u00f6ffnete Sebastian m\u00fchselig die dunkel umrandeten Augen und stammelte unverst\u00e4ndliche Worte. Sein langes, schneewei\u00dfes Haar quoll unter der Kapuze der dunklen Kutte hervor, als Jan in das zerfurchte, sterbende Gesicht des M\u00f6nches sah. Jan holte eine kleine Flasche mit reinem Renneken-Quellwasser aus N\u00fctterden unter seinem Rock hervor und tr\u00e4ufelte dem Alten ein paar Tropfen davon auf die trockenen, rissigen Lippen. Immer wieder verlor der alte M\u00f6nch das Bewusstsein.<\/p>\n<p>Sollte Jan zu sp\u00e4t gekommen sein? Waren die wichtigen Unterlagen zur Pestbek\u00e4mpfung f\u00fcr immer verloren?<\/p>\n<p>Immer wieder fl\u00f6\u00dfte Jan dem Sterbenden vorsichtig Rennekenwasser in den ausgetrockneten Mund. Und siehe da, mit seinen letzten Kr\u00e4ften schob Sebastian seine d\u00fcnnen, grauen H\u00e4nde unter Kutte hervor, in denen er eine Rolle mit alten Schriften hielt. Er \u00fcbergab diese Rolle mit zitternden H\u00e4nden an Jan mit den leisen Worten; \u201egehe hin und tue Gutes\u201c und f\u00fcgte kaum h\u00f6rbar hinzu \u201eso wahr dir Gott helfe\u201c, dann sackte der alte M\u00f6nch in sich zusammen und ging den Weg allen Irdischen. Jan war zuerst erschrocken \u00fcber den Tod des alten Weggef\u00e4hrten, versteckte dann aber die wichtigen Schriftrollen in seinem Gewandt.<\/p>\n<p>Schnell suchte er den Abt des Klosters auf um diesen \u00fcber den Tot von Sebastian und die geheime Schrift zu unterrichten. Gleichzeitig bittet Jan den Abt, ihn bei der Durchf\u00fchrung zur Bek\u00e4mpfung der Seuche zu helfen. Als h\u00e4tte der Abt auf die Aufforderung von Jan gewartet, stellte er sofort eine Gruppe von gelehrten M\u00f6nchen und weltlichen Laien zusammen die \u00fcber Stadt und Land ziehen sollen, um die Lehre der Seuchenbek\u00e4mpfung, wie sie in den alten Schriftrollen beschrieben war, zu vermitteln. Endlich wurde ein Mittel f\u00fcr alle Menschen bekannt gemacht, wie die schreckliche Pest \u00fcberwunden werden konnte. Es sollte allerdings noch Jahre dauern bis die letzten Spuren der Katastrophe aus dem Leben der Menschen verschwunden waren.<\/p>\n<p>Jan hatte wieder einmal seine Mission erf\u00fcllt und kehrte zufrieden in sein Fischerhaus nach N\u00fctterden zur\u00fcck. Auch hier in N\u00fctterden normalisierten sich die Verh\u00e4ltnisse Dank Jan&#8217;s unerm\u00fcdlichen Einsatzes wieder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der W\u00e4chter von Netelenhorst Hier haben wir jetzt die n\u00e4chste Kurzgeschichte, die uns Jan de Schwoon pr\u00e4sentiert. 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