{"id":17434,"date":"2015-12-18T07:30:08","date_gmt":"2015-12-18T05:30:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/?p=17434"},"modified":"2015-11-12T14:59:44","modified_gmt":"2015-11-12T12:59:44","slug":"das-malefitz-haus-von-bimmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/buecher-ueber-kleve\/clevia-akten-mystische-geschichten\/das-malefitz-haus-von-bimmen.html","title":{"rendered":"Das Malefitz-Haus von Bimmen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Malefitz-Haus von Bimmen<\/strong><\/p>\n<p>Hier gibt es wieder eine spannende Kurzgeschichte von Jan de Schwoon, zu der er auch das Titelbild gestaltet hat.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/das-malefitzhaus-von-bimmen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17435\" src=\"http:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/das-malefitzhaus-von-bimmen.jpg\" alt=\"das malefitzhaus von bimmen\" width=\"650\" height=\"490\" srcset=\"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/das-malefitzhaus-von-bimmen.jpg 650w, https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/das-malefitzhaus-von-bimmen-300x226.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Das Malefitzhaus von Bimmen<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8211; Sind K\u00e4tchen, ihr Vater und die Bewohner von Bimmen noch zu retten &#8211;<\/strong><\/p>\n<p>Hier wird die Geschichte einer jungen Frau erz\u00e4hlt, die der Hexerei beschuldigt und unmenschlichen seelischen und k\u00f6rperlichen Qualen ausgesetzt wird. Eine Geschichte aus der D\u00fcffelt, wie sie sich im Mittelalter mehrfach abgespielt haben k\u00f6nnte. In dieser Zeit nahm die Verfolgung von Menschen, die sich angeblich dem Teufel verschworen hatten, auch hier in den Niederrheinlanden unvorstellbare Ausma\u00dfe an.<\/p>\n<p>Machtbesessene Kirchenf\u00fcrsten, fanatische Theologen und pflichtbewusste Beamte bek\u00e4mpften gnadenlos ein Verbrechen, dessen Existenz auch damals unter den Gelehrten schon umstritten war. Tief verwurzelter Aberglaube und die Angst vor teuflische D\u00e4monen gab den Verfolgern den n\u00f6tigen R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung, menschliche Niedertracht f\u00fchrte zu Bespitzelungen und Denunziationen. Hohe und Niedrige, Arme und Reiche, Frauen, M\u00e4nner und Kinder fielen der Brutalit\u00e4t der Hexenjustiz zum Opfer. Wer einmal in ihre M\u00fchlen geriet, f\u00fcr den gab es kaum ein Entrinnen. Die meisten Personen in dieser Geschichte sind frei erfunden, die T\u00e4ter und die Opfer. Die Verh\u00f6re, die Folterungen, sie k\u00f6nnten sich aber wirklich so abgespielt haben. Die Engstirnigkeit, die Grausamkeit, die Gemeinheit, es hat sie wirklich gegeben. Aber auch Beispiele von Hilfsbereitschaft, Tapferkeit, Einsicht und Zivilcourage. Sie k\u00f6nnen uns Mut machen, rechtzeitig gegen Verfolgung, Misshandlung und Rechtsbeugung zu protestieren. Denn die sind noch lange nicht aus unserer Welt verschwunden.<\/p>\n<p>So eilte auch Jan der Fischersohn aus N\u00fctterden zu seinem alten Freund, Bauer Wellem nach Bimmen, als er h\u00f6rte, dass dessen Frau Minchen von den Schergen des Bischofs verschleppt worden war. Jan war in der ganzen Region daf\u00fcr bekannt, das er mit seinen mystischen F\u00e4higkeiten den Menschen half und die satanischen D\u00e4monen vertreiben konnte. K\u00e4tchen die Tochter des Bauern hatte den Fischersohn Jan gerufen. Sie klagte ihm das ganze Leid das ihr und ihrer Familie mit dem bestialischen Tod der Mutter angetan wurde.<\/p>\n<p>In dieser Zeit wurde das Verbrennen von vermeintlichen Hexen \u00e4rger als je zuvor. Denn \u00fcberall sah der Klerus das B\u00f6se am Werk, da Bimmen einen unmittelbaren Zugang zum Rhein hatte und in direkter Nachbarschaft zu dem niederl\u00e4ndischen Ort Millingen lag, vermuteten die H\u00e4scher des Bischofs besonders viele satanische Kr\u00e4fte; jedes Hagelwetter, jede kranke Kuh und jeden verdorrten Halm hielten sie f\u00fcr eine Untat der verfluchten Hexensekte. Die fanatischen Ratgeber der geistlichen Elite, Gott allein wei\u00df ob es gute Ratgeber waren, n\u00e4hrten die Glut ihres Zorns, bis sie zur lodernden Flamme wurde, die \u00fcberall im Land die Scheiterhaufen entz\u00fcndete. Gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6\u00dfer wurde die Zahl derer, die des Umgangs mit dem B\u00f6sen verd\u00e4chtigt wurden und die alsbald durch grausame Folter die schrecklichsten Untaten eingestanden. Wie eine Seuche schien das \u00dcbel der b\u00f6sen Zauberei das ganze Land befallen zu haben und je mehr Hexen ihre Untaten mit dem Leben b\u00fc\u00dften, um so mehr schienen sie in Freiheit ihr Unwesen zu treiben.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich soll der Pastor von Bimmen im Auftrag des Bischofs ein \u201eMalefizhaus\u201c errichtet haben, in dem alle eingekerkert wurden, die Gott so sch\u00e4ndlich verleugnet haben sollten. Dort trafen sie auf ihre Richter, dort wurde ihr Urteil gef\u00e4llt. Niemand hat in jener Zeit das Malefitzhaus wieder verlassen, wenn er einmal darinnen war, es sei denn, um in dieser Welt seinen letzten Weg zu machen, zum Richtplatz am Schwarzen Kreuz, vor den Toren des Dorfes. M\u00f6ge Gott ihrer aller Seelen gn\u00e4dig sein!<\/p>\n<p>Zu den ersten, die der Pfarrer im neuen Hexenhaus verwahren lie\u00df, z\u00e4hlte Minchen, die Ehefrau des Bauern Wellem aus Bimmen. Bei der peinlichen Befragung unter der Folter ihrer Peiniger hatte sie gestanden, die Buhlin des Teufels geworden zu sein und mit ihren Hexenk\u00fcnsten unfassbare Schandtaten begangen zu haben. Wir alle haben es nicht glauben wollen hatte K\u00e4tchen an Jan berichtet. Denn Minchen ihre Mutter war eine gottesf\u00fcrchtige Frau, die die Gebote der heiligen Kirche achtete, den Armen reichlich gab und ihren Mann Wellem eine treue und gehorsame Hausfrau war. Aber das Urteil der drei gelehrten M\u00e4nner, die ihre Richter waren, konnte wohl nicht bezweifelt werden. Und hatte sie nicht selbst ihre Schandtaten eingestanden? So waren wir dankbar f\u00fcr die Gnade, die ihr der Bischof erwies, berichtete K\u00e4tchen; Er lie\u00df sie mit dem Schwert richten, bevor ihr Leib zu Pulver und Asche verbrannt wurde. Um das B\u00f6se, das sie vielleicht in unsere Herzen verpflanzt hatte, zu vertreiben, bem\u00fchte sich die ganze Familie von diesem Tag an mehr als je zuvor, gottgef\u00e4llig zu leben.<\/p>\n<p>K\u00e4tchen selbst war unerbittlich gegen sich, unerbittlicher noch, als es die strenge Zucht eines Klosters fordert, sie unterwarf ihren Geist und ihren K\u00f6rper den h\u00e4rtesten Pr\u00fcfungen, sie flehte zu Gott und allen Heiligen, sie m\u00f6chten nun den Satan von ihr und den Menschen im Dorf fern halten. Aber es hat alles nichts helfen wollen. Der Fluch, der auf diesem Hof und seinen Bewohnern lag, hatte auch ihre Familie zerst\u00f6rt und lie\u00df und l\u00e4sst sie bis heute an der heiligen Mutter Kirche zweifeln, an ihrer Weisheit und G\u00fcte.<\/p>\n<p>Unter Tr\u00e4nen berichtet K\u00e4tchen weiter, damit bin auch ich schuldig geworden, obwohl ich mich, Gott ist mein Zeuge, nie mit dem Satan eingelassen habe. Wenn mich meine Erinnerung nicht tr\u00fcgt, so schlich sich der erste Zweifel in meine Seele, als sich der Tag zum ersten Mal j\u00e4hrte, an dem sie die Asche der Mutter vom Deich aus in alle Winde verstreut hatten. An diesem Tag n\u00e4mlich kam Jan der Fischersohn aus N\u00fctterden nach Bimmen&#8230;&#8230;.<\/p>\n<p>\u201eWat es dan met o loss, ek kenn o jo niet merr weer, wellt gej menen Win niet enz pr\u00fcwe\u201c begr\u00fc\u00dfte Bauer Wellem auf \u201eKleverl\u00e4ndisch\u201c den alten Freund Jan aus N\u00fctterden, in der hier gebr\u00e4uchlichen Umgangssprache. Aufmunternd hielt er seinem Gast das Glas entgegen, als er aus dem Stall kommend in die gute Stube eintrat.<\/p>\n<p>\u201eHallo Wellem, mir ist nicht danach\u201c, antwortete Jan ihm freundlich, \u201eich habe dringend mit Euch zu reden, nachdem deine Tochter K\u00e4tchen mir von eurem Ungl\u00fcck berichtet hat.\u201c Aber dann nahm Jan das Glas doch, kostete und schmatzte anerkennend. \u201eNicht schlecht, mein Lieber, wahrhaftig nicht schlecht!\u201c Er nahm noch einen Schluck und wischte sich den d\u00fcnnen Bart, den er sich seit dem letzten Jahr hatte wachsen lassen. \u201eIn diesen miserablen Zeiten ist ein guter Wein so selten wie ein treuer Freund.\u201c Er seufzte. \u201eUnd das bringt mich wieder zu dem Grund meines Besuches.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch wat, Jan!\u201c Wellem winkte ab. \u201eNo kenn ek o all so lang, en \u00f6mmer heb gej ok wat bej ons geg\u00e4te, dan spreckt et sich \u00f6m so b\u00e4ter.\u201c Er wandte den Kopf und rief: \u201eK\u00e4tchen! K\u00e4tchen!\u201c<\/p>\n<p>Gleich darauf \u00f6ffnete sich die T\u00fcr und K\u00e4tchen betrat die Stube. Sie war schlank und ziemlich gro\u00df. Unter einem wei\u00dfen H\u00e4ubchen quoll dichtes, dunkles Haar kaum geb\u00e4ndigt hervor und fiel in lockigen Str\u00e4hnen in die Stirn. In ihrem blassen Gesicht gl\u00e4nzten die Augen gro\u00df und rund, Augen, die so dunkel waren, dass man die Pupillen darin nicht sah. Das Licht spiegelte sich in ihnen wie das Mondlicht in der n\u00e4chtlichen Schw\u00e4rze eines Sees; sie waren blank wie Glas und man konnte doch nicht hineinsehen. Als Jan f\u00fcr sich erkannte, dass er sie bewundert ansah, schoss ihm die Verlegenheitsr\u00f6te ins Gesicht und hoffte das K\u00e4tchen dies nicht bemerkt hatte. Das M\u00e4dchen begr\u00fc\u00dfte den Gast mit einem freundlichen Nicken und meinte dann l\u00e4chelnd: \u201eGelli welt bestemt dat ek en betje Fleiss en Brot breng.\u201c<\/p>\n<p>Bauer Wellem sah seine Tochter liebevoll an. \u201e Dat es lief van o m\u00e4dje, dat heb gej rechteg gerooje.\u201c K\u00e4tchen nickte. \u201e Heb nog effkes ged\u00f6llt, et sal nit lang d\u00fcre.\u201c Schweigend tranken die M\u00e4nner ihren Wein und warteten, bis die junge Frau das Essen gebracht und den Raum wieder verlassen hatte. Nachdenklich sah Jan ihr hinterher. \u201eSch\u00f6n ist sie geworden\u201c, sagte er, \u201eso sch\u00f6n, wie ihre Mutter war. Wie alt ist sie jetzt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNeegentin johr w\u00f6rt se van et fruchjohr\u201c antwortete Wellem stolz und atmete tief ein und aus. \u201eIhr solltet sie verheiraten, Wellem. Sonst kommt sie auch noch wie ihre Schwester auf dumme Gedanken und geht ins Kloster. Habt Ihr denn keinen jungen Mann, den ihr f\u00fcr w\u00fcrdig haltet&#8230;..\u201c versuchte Jan den Vater bei Laune zu halten.<\/p>\n<p>\u201eW\u00fcrdig, w\u00fcrdig\u201c, der Bauer sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eDor sal w\u00e4ll imand te finde sin, mar se well nit, sej sett, se kos min nit alleen lote. En se h\u00e4t r\u00e4cht, se es min en groote h\u00f6lp, sent \u00f6r moder dot es\u2026\u2026 sej mekt denn hele huishalt f\u00f6r min\u2026.mar sej hett \u00f6ren eigen kopp, en sej es nit v\u00f6r een br\u00f6llft te hebbe. M\u00e4\u00e4j gloof ek se h\u00e4tt denn duiwel inet liff.\u201c Wellem unterbrach sich unvermittelt selbst und schlug pl\u00f6tzlich mit beiden F\u00e4usten auf den Tisch, dass die Gl\u00e4ser klirrten und Jan heftig zusammenzuckte. \u201eBej alle hellige, dor wass et min fast w\u00e4rr her\u00fcttgerutscht.\u201c Er versuchte zu l\u00e4cheln, aber es gelang ihm nicht. H\u00f6hnisch fuhr er fort; \u201ewat kiek je so, Jan? h\u00e4tt o denn duiwel in et lif so bang gemakt? Gl\u00f6\u00f6f gej dat min dochter o ok verhext? Of sit gej bang dat sich de flur ob d\u00fct, en satan as d\u00e4mon met et gesecht van onsen pastoor obstiegt, \u00f6m ons met de neme? Mischin es d\u00e4n win d\u00e4n wej drenke so gut, dat et duiwelswerk es? O minen liewen heer wat es blos loss met min?\u201c Der Hohn war aus seiner Stimme verschwunden, Kummer und Zorn mischten sich jetzt darin. Er griff nach seinem Glas und goss den Inhalt in einem Zug hinunter.<\/p>\n<p>\u201eIhr solltet nicht so reden, Wellem!\u201c, sagte Jan besorgt. \u201eSeht ihr, das ist es, was ich euch sagen wollte: Ihr redet euch noch um Kopf und Kragen!\u201c Aber der Bauer h\u00f6rte ihm gar nicht zu.<\/p>\n<p>\u201eDe gottlose h\u00e4xenbrut welle se \u00fctrotte,\u201c sagte er wie zu sich selbst. \u201eMar k\u00f6nn gej Satan kapott kriege, wenn gej \u00f6re diener \u00f6mbrengt? Kann hej nit f\u00f6r jede H\u00e4x, die verbrennt, sofort zwee neje hebben, w\u00e4n hej so machtig es, dat hej wiewer, pfaffen, b\u00f6rgermester, jo, en onschuldige kinder f\u00f6r sich lokt?\u201c Er sprang auf und lief unruhig im Zimmer auf und ab\u2026. \u201eWor hen soll dat nog goon! Alle menze worren verbrannt, bes alleen nog mar d\u00e4n pastoor en d\u00e4n bischop \u00f6wer bliewe. Wo sal dat hen gan, et hele land w\u00f6rd in de hand van denn d\u00fcwel falle. Die motten dan et f\u00fc\u00fcr an et eige liff halde. Wenn et dan geen menze mer gefft kann et ok geeh H\u00e4xe mer g\u00e4we. Off vergribbt sich den d\u00fcwel dan an de pogge en kuhe?\u201c Redete Wellem sich in Rage und rieb sich die Augen, als erwache er aus einem b\u00f6sen Traum. \u201eDor kan doch wat nit stemme Jan, hier hebbe so v\u00f6\u00f6l met d\u00e4n D\u00fcwel paktiert, so kann et doch nit wier gohn!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHalt, halt, halt, unterbrach ihn Jan energisch. \u201eDa habt Ihr es doch wieder! Die Kirche mit ihren Helfern machen sich die Angst der Menschen zu Nutze, um sie zu knechten und auszubeuten. Wellem sah seinen Freund fassungslos an.<\/p>\n<p>\u201eMinen liewen Gott, Jan, so blind k\u00f6nt gej doch nit sinn. Dat k\u00f6nnt gej doch nit guthei\u00dfen! D\u00f6rf man enen volwassenen mens d\u00e4n twiffel h\u00e4t, w\u00e4n hej trauer h\u00e4ft \u00f6m sin frau en sin dochter, dan ok nog enen prozess maake? Wor es door r\u00e4cht en billigkeit?\u201c Der Bauer zuckte die Achseln.<\/p>\n<p>\u201eIch habe nicht von guthei\u00dfen geredet. Ich habe nur gesagt, man brauche sich nicht zu wundern\u201c erwiderte Jan. Wellem hatte seine unruhige Wanderung wieder aufgenommen und beachtete Jan seinen Einwurf nicht.<\/p>\n<p>\u201eBej onsen liewen Gott en alle Helligen, dat mott doch eneker oph\u00f6re! Wij well dan bestriehe dat dat b\u00f6se exesteert. \u00c4wel menze sin fehlbar, ok rechter en bisch\u00f6fe.\u201c Er blieb stehen und starrte vor sich hin. \u201eMinchen\u201c, sagte er leise, \u201e nojt sal ek gl\u00f6we, dat se en H\u00e4x was. Nor dem die b\u00fcttel van d\u00e4n pastoor se in et Malefizhuis gebrocht hebbe, heb ek sej noit mer weergesien.\u201c Nun brach es endg\u00fcltig aus Wellem heraus: \u201eW\u00e4n se onder de marter vor pinn geschraut h\u00e4t, ek heb et nit gehort. W\u00e4n se \u00e4ngst vor d\u00e4n dood geh\u00e4t h\u00e4ft, ek heb et nit bemerkt. Dan hebbe se gesejt, dat se gest\u00f6rwe es f\u00f6r \u00f6r s\u00f6nd, en dat se et bereut heft, en \u00f6r eigengut an d\u00e4n bischop vervallen es. Et heft ger\u00f6chte gegewen, wat se alles gedon heft. Mar min het se et nit segge k\u00f6nne, dat met d\u00e4n D\u00fcwel paktiert heft, en hostien gesch\u00e4ndet heft, en dat se unschuldige menze gedood heft. En dorom gl\u00f6f ek et ok nit! Ek glof erder, dat dat vermaledeide pfaffengesindel en sine koruppten rechter\u2026\u2026\u2026\u201c. Wellem brach regelrecht zusammen.<\/p>\n<p>\u201eH\u00f6rt endlich auf!\u201c Jan schrie, aber man merkte ihm an, dass er es weniger aus Zorn als aus Sorge tat. \u201eZum letzten Mal, h\u00f6rt endlich auf, Wellem! Schon euch zuzuh\u00f6ren reicht, dass sich ein Mann verd\u00e4chtig macht in diesen Zeiten. Jetzt lasst endlich mich reden! Setzt euch wieder zu mir!\u201c Wellem gehorchte, erstaunt \u00fcber den unerwarteten Ausbruch, und Jan fuhr fort: \u201eIch bin gekommen als Euer Freund. Ich will, nein, ich muss Euch warnen. Euer loses Maul, wenn Ihr verzeiht, dass ich so offen rede, euer verdammtes loses Maul und dazu die Erbitterung \u00fcber den Tod eurer Frau haben euch in eine gef\u00e4hrliche Lage gebracht. Neulich, w\u00e4hrend der Sitzung im Dorfrat, eure spitze Bemerkung \u00fcber den Pastor und den Bischof war t\u00f6richt, wenn du dich, trotz gro\u00dfer Trauer und Wut, nicht besinnst, wirst auch du und deine Tochter K\u00e4tchen sterben,\u201c leise f\u00fcgte Jan hinzu, \u201eich kenne den Abt von Cleve sehr gut, der hat klar erkannt und auch schon ausgesprochen, dass die Hexenj\u00e4ger, die sich so fromm gaben, weil sie angeblich den Teufel bek\u00e4mpften, in Wirklichkeit mehr an die Macht des Teufels als an diejenige Gottes und Christi glaubten. Dieser Abt hat die Kraft und das Ansehen, um die fanatischen Ausw\u00fcchse hier zu stoppen. Er wird uns helfen damit du mit deiner Tochter K\u00e4tchen und den anderen Dorfbewohnern von Bimmen wieder zur Ruhe kommst.\u201c<\/p>\n<p>Wellem seufzte tief durch als er die Worte von Jan vernahm, als seine Tochter K\u00e4tchen, die an der T\u00fcr gelauscht hatte, in die Stube trat. Sie sah Ihren Vater zusammen gekauert am Tisch sitzen und r\u00fcttelte ihn an den Schultern als sie verzweifelt rief; \u201eVoder kom wer hoch, wej wollen b\u00e4je, en onsen echten, liewen Gott bedden en dank seggen, dat hej ons helpt, en dat alles w\u00e4r gut w\u00f6rd.\u201c Vater und Tochter sanken auf die Knie um zu beten, als Jan sich verabschiedete um sich nach Cleve auf zu machen. Er will den Abt bitten, dem unsinnigen T\u00f6ten hier in Bimmen, Einhalt zu gebieten.<\/p>\n<p>Schon kurze Zeit sp\u00e4ter vernahm Jan von seinem Freund, dem Bauer Wellem, die Nachricht, dass sich alles zum Guten gewendet hatte. Die Inquisition in Bimmen wurde abberufen und ein neuer Pastor eingesetzt. Das Malefitzhaus wurde abgerissen und ein Denkmal an dieser Stelle errichtet. Nun konnten die Menschen endlich der Opfer, nach ihren wahren christlichen Glauben, gedenken. Bauer Wellem hatte noch mehr freudiges zu berichten, seine Tochter hatte einen guten Mann gefunden. Alle wohnten nun zufrieden, in ihrem christlichen Glauben auf dem Hof in Bimmen, bis an ihr Lebensende.<\/p>\n<p>Jan der Fischersohn aus N\u00fctterden hatte mal wieder seine guten F\u00e4higkeiten unter Beweis stellen k\u00f6nnen bis\u2026\u2026\u2026\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Malefitz-Haus von Bimmen Hier gibt es wieder eine spannende Kurzgeschichte von Jan de Schwoon, zu der er auch das &hellip; <a href=\"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/buecher-ueber-kleve\/clevia-akten-mystische-geschichten\/das-malefitz-haus-von-bimmen.html\" class=\"more-link\"><span class=\"more-button\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Das Malefitz-Haus von Bimmen<\/span><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[615],"tags":[3643],"class_list":["post-17434","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-clevia-akten-mystische-geschichten","tag-das-malefitz-haus-von-bimmen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17434","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17434"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17434\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17434"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17434"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kle-blatt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17434"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}