Der Klever Schwan kommt aus Nütterden – Abschnitt 2

Der Klever Schwan kommt aus Nütterden – Abschnitt 2

…und weiter geht es mit der tollen Geschichte von Jan de Schwoon…

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Jan der Schwan sollte von nun an sein Begleiter sein. Sie zogen zügig an dem alten Försterhaus und dem Hof von „Bauer Anton“ in Nütterden vorbei. Kurz vor der gegenüber liegenden „Kochschen Papiermühle“ mussten sie einen kleinen Schlenker machen weil ein voll beladener Lastkahn Pappelholz bei der Mühle anlieferte. An der großen Holzbrücke, die über der Römerstraße gebaut war, saßen bei herrlichem Sonnenschein der alte Kromwijk, der mit seinen beiden Nachbarn Flintrop und Peters ein Pfeifchen rauchend, auf einer Bank. Sie wunderten sich kurz, das ein Schwan mit so einem stattlichen Ritter in einem Kahn auf der Renne unterwegs war. Dann unterhielten sie sich gestikulierend weiter. Die glänzende Ritterrüstung von Lohengrin strahlte schon von weitem, als ein Stückchen weiter der Müller Heinrich ob de Kamp vor seiner Getreidemühle stand und dem eigentümlichen Gefährt zu winkte. Die Renne war auf diesem Teilstück sehr schmal und sie mussten den Flößern, die ihre Baumstämme, die sie im Ketelwald geschlagen hatten, ausweichen. Jan und der Ritter schafften es heute nur bis zu einem stattlichen Bauernhof, der an der Ecke Schaafsweg/Lindenstrasse unmittelbar an der Renne lag.

Der Bauer Jakob war noch dabei die Kühe zu melken während zwei Knechte schwitzend einen kleinen Lastkahn mit Heu abluden. Sie hatten das Heu von den Wiesen an der Bruchschenstraße geerntet. Die Wege in der Niederung waren um diese Zeit sehr aufgeweicht, deshalb konnten sie nicht mit den schweren Holzwagen bis zum Hof fahren. Als die Bäuerin den Edelmann und den etwas erschöpften Jan sah, rief sie ihnen zu; „Gej twee könnt van nacht ob de Däl in de kamer van enen Knecht schlope, enn wat te äte heb ek ok noch för ow twee ,“ Sie lud die beiden in der hier üblichen Dialektsprache „Kleverländisch“ ein, die Nacht auf dem Hof zu verbringen. Wie selbstverständlich wurde Jan der Schwan als Mensch wahrgenommen. Lohengrin und Jan nahmen das freundliche Angebot der Bäuerin gerne an, denn sie hatten ja noch ein großes Stück ihrer Reise vor sich. Sie traten in die Küche ein und waren überrascht wie ungewöhnlich groß diese war. Die Stube war einfach eingerichtet, aber sehr sauber. An der Stirnwand befand sich ein riesiger „Bussem“ mit einen offenen Feuer. Auf der anderen Seite befand sich in der Ecke ein kleiner Hausaltar, so wie es sich für eine christliche Bauernfamilie ziemte. Hier in der Küche des Hofes fand das tägliche gemeinsame Leben der Bauernfamilie statt. Die Bäuerin wandte sich dem Ritter und seinem Begleiter Jan zu. „Ekk häb Supp ob et Führ, dat is läkkere Kernemelkse Papp met gedögte Prumme“ sprach sie „dor met heb ek eenentwentig Blaage groot getrokke, dor es för ow twee ock noch wat öwer“. Kaum hatte sie das ausgesprochen stürmten alle einundzwanzig Kinder in die Stube und versammelten sich an der großen Holztafel. Sie klapperten ungeduldig mit ihren Holzlöffeln an zwei große Schüsseln die auf dem Tisch standen. Die beiden Fremden wurden von den Kindern gar nicht wahrgenommen. Der Bauer war inzwischen aus dem Stall gekommen und nahm an der Kopfseite des Tisches platz. Dieser Platz war immer für den Vater reserviert, keiner sonst durfte hier sitzen. Wie auf Kommando waren die Kinder still und alle begannen wie im Chor ein Tischgebet zu sprechen, um Gott für die Speise zu danken, so wie es seit je her kannten. Erst dann füllte die Bäuerin aus einem großen, über dem offenen Feuer hängenden Kessel die heiße, nahrhafte Buttermilchsuppe mit getrockneten Pflaumen. Alle zusammen löffelten sie nun gemeinsam aus den beiden Schüsseln das Abendmahl. Dazu gab es noch für jeden ein deftiges Stück Brot, das bevor der Bauer es anschnitt, mit einem eingeritzten Kreuz auf der Unterseite versehen wurde, so wie es der christliche Brauch es verlangte. Die religiösen Rituale waren dem Ritter und dem Fischerjungen fremd, aber sie waren froh ein Nachtlager bei der Bauernfamilie gefunden zu haben. Am anderen Morgen herrschte schon sehr früh reges Treiben auf dem Hof, denn es war Erntezeit.

Weiter geht es in einigen Tagen…