Der Klever Schwan kommt aus Nütterden – Abschnitt 3

Der Klever Schwan kommt aus Nütterden – Abschnitt 3

…und weiter geht es mit der wunderbaren Geschichte von Jan de Schwoon…

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Mit den ersten Sonnenstrahlen und dem morgendlichen Glockengruß von der nahe gelegenen Kapelle Sankt Georg, verabschiedeten sich Lohengrin und Jan bei den Bauersleuten. Die Kinder schliefen noch selig auf ihrem Strohlager als sich die beiden Gäste auf den Weg zur Brücke machten, die über die Lindenstraße gebaut war. Dort wartete schon „Jupp der Fuhrmann“ mit seiner Kutsche und seinem Pferd „Mirca“. Er hatte von Lohengrins Vater Parzival den Auftrag bekommen an diesem Morgen eine Holztruhe vom Schmiede- und Schlossereibetrieb Schoemakers im Hammereisen abzuholen, um sie pünktlich hier vor der Brücke an Lohengrin zu übergeben. In der schweren, mehrfach gesicherten Truhe befand sich das Brautgeschenk von Lohengrin an Elsa von Brabant. Es war ein großer goldener Schwan, der nach wochenlanger geheimer Arbeit von dem Schmied Schoemakers in Nütterden gefertigt wurde. Dieser goldene Schwan soll nach der Hochzeit von Lohengrin und Elsa die Spitze der Burg in Cleve krönen.

Jupp der Fuhrmann wurde von Lohengrin für seine Transportdienste entlohnt nachdem dieser die schwere Truhe mit großer Anstrengung in den Kahn gehievt hatte. Scheinbar mühelos zog Jan den nun viel schwereren Kahn unter die Brücke durch, er hatte die silberne Zugkette wieder angelegt. Diese magische silberne Kette verlieh ihm ungeahnte Kräfte. Schnell fuhren sie nun, die starke Strömung der Renne nutzend, Richtung Schloss Klarenbeck weiter. An der rechten Seite des Flusses beobachtete Lohengrin wie gerade eine neue Siedlung gebaut wurde. Da der Boden hier sehr sumpfig war, werden die Häuser auf Eichenstämme gebaut, die im nahen Ketelwald geschlagen und in Floßverbänden über die Renne hierher geschafft werden. An der linken Seite fand eine Schützenübung an dem dafür eingerichteten Schießstand statt und kurz dahinter trainierten die Gladiatoren in der Sportarena von Nütterden. All das nahmen Lohengrin und Jan wahr, als sie auf das prächtige, vier türmige Wasserschloss Klarenbeck zusteuerten. Johann von Klarenbeck begrüßte die beiden Reisenden von der Zugbrücke aus und sicherte ihnen, nachdem er ihnen einen erfrischenden Trank gereicht hatte, in einem versiegelten Brief freie Fahrt bis Cleve zu. Den sollten sie auf verlangen von den Gutsherren vorzeigen, dessen Territorium sie durchfahren mussten.

Der Ritter Lohengrin und Jan der Schwan brauchten einige Zeit um die groß angelegte Schlossanlage mit dem angegliederten Bausenhof und die Mühlenanlage über den angestauten See die Weert zu verlassen. Kurz hinter dem Elsenhof teilte sich die Renne in „Die große Wässerung“. Links floss die Renne Richtung Zyfflicher Hafen und Rechts floss sie in Richtung Cleve. Sie bogen rechts nach Cleve ab und kamen nun, an Haus Hox, dem Haysenhof, Neu Nütterden auf der rechten Seite und dem Lindenhof links vorbei. Die Donsbrügger Windmühle und die Schmiede Heister links hinter sich lassend, kamen sie nun in ein ruhigeres Fahrwasser. Die Renne floss hier nicht weit von dem dicht bewaldeten Höhenzug vorbei. Es war Mittag geworden, den Betrachtern zeigte sich vor der berüchtigten „Kampfarena op de Heij“ ein herrschaftliches Anwesen auf den Höhen des Ketelwaldes. Die weiß schimmernden Stämme der Birkenallee, die hinauf zu der Villa führte, leuchteten im strahlenden Sonnenlicht bis in die Niederung. Hier hatte ein altes geldrisches Adelsgeschlecht, die „Herren von Hoe“ ihr Jagdhaus. Sie waren durch ihren regen Handel zu Reichtum und Ansehen in der Region gekommen. Ritter Lohengrin war hier oft zu Gast gewesen und hatte die ausgiebigen Jagdausflüge mit dem Hausherrn genossen. Als „die von Hoe“ ihr Jagdhaus verkauften, munkelte man das sie über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Das Gegenteil war allerdings der Fall. Sie verlegten ihren Stammsitz nach Nütterden, wo sie ein noch größeres und schöneres Anwesen bauten. Da Nütterden, wie schon beschrieben ein wichtiger Handelsort in der Region war, konnten die „Herren von Hoe“ ihr Vermögen von hier aus besser vermehren und weitere Güter im Klevischen erwerben. Der Kontakt mit Ritter Lohengrin und den „von Hoe“ ist nie abgebrochen. In der Ortsmitte von Donsbrüggen, an der Kirche angekommen, wartete eine große Überraschung auf dem Ritter. Am Ufer der Renne stand sein alter Freund Pastor Bernhardus mit Jupp dem Herbergsvater vom Waldschlösschen. Bernhardus wird im Volksmund freundlich der „Menschenfischer von Donsbrüggen“ genannt und sein Haus, die Kirche St. Lambertus, steht zu jeder Zeit, für jedem offen, der Hilfe braucht. Die Begrüßung war herzlich, die beiden Freunde hatten sich lange nicht mehr gesehen. Früher hatten sie sich bei einem guten Fläschchen Wein die Nächte, philosophierend und diskutierend, um die Ohren geschlagen. Natürlich freute sich Bernhardus über die Hochzeit von Ritter Lohengrin mit Elsa von Brabant und gerade aus wie er nun mal war, bot er sich spontan an die beiden zu trauen. Über dieses Angebot war der Ritter so erfreut, dass er seinen Freund sofort nach Cleve zur Hochzeit einlud, zumal Pastor Bernhardus am Hof von Cleve gut bekannt war und dort schon oft eine Messe abgehalten hatte. Bevor Lohengrin und Jan weiter Richtung Cleve reisten, warnte Bernhardus die Beiden noch vor einer Bande von Rabauken. „Frankus von der Kranenburger“ war ihr Anführer und seine berüchtigten Rabauken hießen Michaelis, Andreas, Holgerus, Andre’us und Stefanus. Diese hatten ihr Hauptquartier im finsteren Ketelwald zwischen dem Spielberg und der Schlucht, von wo aus sie ihr Unwesen in Donsbrüggen trieben. Man konnte ihnen schlecht habhaft werden, da sie sich immer, wenn sie verfolgt wurden, über ein geheimes Kommandosystem von Baum zu Baum schwangen und so über die tiefe, gefährliche Schlucht entkamen. Wachsam fuhren Lohengrin und Jan nun weiter in das „Tal der Gnade“ sie wollten eigentlich auf dem „Ganswykshof“ über-nachten, stellten aber fest, dass der Hof gerade von den Mönchen vom Orden des St. Augustinus aus Uedem, zu einem Kloster umgebaut wurde. Sie mussten also sehen, dass Sie noch vor Anbruch der Dunkelheit ein Quartier fanden.

Weiter geht es in einigen Tagen…