Ein Kommentar

  • Wolfgang Look

    Warum der Spiegelturm „Spiegelturm“ heißt!
    Und so fingen einige Schwäne an in der Hügelstadt zu leben und an der Schwanenburg zu bauen. Es war viel Arbeit, aber die Bauern und auch die Schwäne waren fleißig und gut, und der Burgbau machte Fortschritte. Bald schon konnte man Mauern erkennen, Fenster, einen Turm, die Einfahrt. Alle erfreuten sich nach der Arbeit an der schönen Aussicht über den „Schwanendahl“ und das weite, flache Land.

    Die Schwäne liebten es sehr durch den „Schwanendahl“ zu schwimmen und sie freundeten sich mit den Fischen an, lauschten dem Harfenspiel der Weidenbäume, dem flötenden Säuseln des Wassers, schauten voll Verehrung auf die mächtigen Hügel aus der Eiszeit. Sie stolzierten wie ein Ensemble über den Mäander und wanden sich an den Ufern und Baumstümpfen entlang. Die Bauern waren immer sehr erfreut, die schönen Tiere zu sehen, von denen mal Bilder malte und Gedichte schrieb, und so lebten sie in großer Eintracht. Die Schwäne hatten schon die Umgebung kennengelernt, das große Waldgebiet mit den 4 Gesellen, den „Sieben Quellen“, den kleinen Hügeln, dem Altrhein und der Niers. All das gefiel ihnen so gut, dass sie gar nicht mehr in den Himmel zurückkehren wollten und Sommer wie Winter in der Hügelstadt verbrachten.
    Nach einiger Zeit merkten sie jedoch, dass sie etwas hässlicher wurden und müder. Ihre Schönheit und Frische schien ein bisschen zu verwelken. Wenn sie abends in den Spiegel schauten, machten sie sich große Sorgen und hatten Angst eines Tages ganz zu vergehen. Da fragten sie einen Arzt und der sagte ihnen. Es sei gut für sie in der Hügelstadt zu leben und sie könnten noch viele Jahre hier verweilen, aber sie bräuchten die Verbindung zum Himmel, ohne die ihr Herz und Körper immer schwächer würde. Nur dort schöpften sie aus dem ewigen Lebensstrom, wären sie Teil eines ewigen himmlischen Chores und unterlägen sie nicht dem Fluch des Alters, so dass sie immer stark, schön und jung blieben.
    Da die Schwäne jedoch nicht täglich die weite Strecke zu ihrem Herkunftsreich fliegen konnten, musste sie eine andere Lösung finden. Der Arzt sann lange nach und nach Tagen fand er eine, wie sie in alten Weisheitsbüchern angegeben war. Die Schwäne müssten sich jeden Abend vom Glanz des Himmels bestrahlen lassen, dass sie z.B. bekämen sie, wenn sie sich vor einen Richtung Osten gerichteten großen Spiegel stellen, dort auf ihr himmlisches Selbst schauen und weise Schriften vorlesen. In trauter Verbindung mit dem ewigen Teil ihrer Selbst würden sie dann Ruhe, Kraft, Schönheit, Frische und Heiterkeit wiedergewinnen. Da beschlossen die Schwäne, neben der Schwanenburg einen gesonderten Turm mit einem großen weißen Spiegel im Inneren zu errichten, und jeden Abend und Morgen versammelten sie sich in dem Saal und dachten über ihr „Zweites Selbst“, ihre himmlische Herkunft, nach. Und welch ein Wunder, die Weissagung des Arztes bewahrheitete sich und durch diese Übung erhielten sie ihre alte Kraft und Schönheit wieder und konnten sie in der Hügelstadt bleiben. Den Turm verehrten sie sehr und sie beschlossen ihn „Spiegelturm“ zu nennen.